Ein frohes neues Jahr an alle! Auch in 2006 viel Spass, Erfolg, Liebe und unzählige gute Momente. Auf dass ihr alles Schlechte zurücklasst, nur das Gute mitnehmt!
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Huch, schon drei Monate hier?
Die Zeit fliegt! Schon drei Monate Samara! Der richtige Moment, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Welche Erwartungen haben sich als Vorurteile/Mythen erwiesen, welche bewahrheitet? Eine kleine Übersicht:
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Ich werde |
Erwartung |
Realität |
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• jeden Tag Vodka trinken |
wahr |
komplett falsch |
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• oft besoffen sein da ich wenig Alkohol vertrage |
wahr |
total falsch |
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• jeden Tag Kohl und Kartoffeln essen |
falsch |
fast wahr |
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• oft alleine sein |
wahr |
total falsch |
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• eine russische Freundin haben (sali Beat!) |
falsch |
fälscher |
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• in einem sozialen Projekt viel Gutes tun |
wahr |
ziemlich daneben |
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• frieren, frieren, frieren (minus 35!) |
wahr |
falsch |
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• nach drei Monaten fliessend Russisch können |
wahr |
wie naiv! |
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Die Russen |
Erwartung |
Realität |
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• trinken Massen von Schwarztee |
wahr |
sehr wahr |
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• bereiten diesen immer im Samawar zu |
wahr |
falsch |
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• feiern tägliche Exzesse |
wahr |
falsch |
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• saufen extrem viel ohne betrunken zu sein |
wahr |
falsch |
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• sind ständig besoffen (trotzdem) |
falsch |
nicht ganz falsch |
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• sind alle melancholische Intellektuelle |
wahr |
hmm? |
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• sind ein Volk von Mystikern (russische Seele) |
wahr |
nicht so wahr |
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• sind grob und – halt so wie der Typ in Rocky 4 |
wahr |
falsch |
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• lieben es gerne laut |
wahr |
wahr |
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• lieben es bunt und schrill |
wahr |
gar nicht so wahr |
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• lieben Geld |
wahr |
wahrer |
Zu den meisten dieser Erwartungen und Vorurteile gäbe es Bände zu schreiben. Im Moment möchte ich nur auf drei Punkte etwas ausführlicher eingehen: den Winter, die Sprache und die Arbeit.
Der gefürchtete russische Winter lässt immer noch auf sich warten, es ist sogar wieder etwas wärmer geworden in den letzten Tagen, so gegen null Grad. Ein rechter Teil des Schnees auf den Strassen und Gehsteigen ist weggeschmolzen, was einen Gang durch die Stadt zum feucht-schmutzigen Abenteuer macht. Man muss sich zwischen meterlangen Matschpfützen hindurch einen Weg suchen und vorsichtig tastend die Tiefe der Pfützen ausloten. Pfui Teufel! Ich hoffe jedoch, dass sich die viel gehörten minus 35 Grad nicht als Mythos herausstellen werden, die Volga in Bälde zufriert und wir endlich Schlittschuh fahren und Langlaufen gehen können.
Die Russischkenntnisse entwickeln sich langsam. Oft ist inzwischen in Gesprächen neben der passiven Zuhörerrolle (welche auch ein gewisses Mass an Verstehen involviert) auch eine (händeringende) angedeutet aktive Rolle möglich. In ebensovielen Situationen bleibt jedoch die absolute Hilflosigkeit bestehen. Was diese Situationen erschwert, ist die Schwierigkeit, die Russen mit Körpersprache zu erreichen, welche meist überhaupt nicht verstanden wird. Mein südländisch angehauchtes Rumgefuchtel wird hier selten zum zündenen Funken, welcher die Kommunikationslücke überbrückt. Ein positives Beispiel jedoch gestern. Sonntag Abend spontan zum Friseur gegangen – die meisten Geschäfte arbeiten hier nach dem Prinzip ‘ohne Pause und ohne Wochenende’, darum ist ein Friseurbesuch sonntags um sieben Uhr abends kein Problem. Hatte ich vor dem Eintreten ins Geschäft zur Sicherheit noch kurz nachgeschaut, was ‘Haare schneiden’ bedeutet, konnte ich mich 30 Sekunden später dann partout nicht an die Phrase erinnern und musste auf ‘volasi’ (Haare) und ein ‘Scheere Handzeichen’ ausweichen. Funktionierte. Der sehr nette Friseur fragte mich dann, wie ich die Haare gerne geschnitten hätte. ‘Hmm, was heisst schon wieder kurz und was heisst schon wieder auf der Seite und wie sag ich dem, dass ich sie oben gerne etwas länger lassen würde?’ Zeichensprache. Funktionierte erneut. Nicht schlecht geworden der Schnitt. Hat 200 Rubel (9 sFr; 6 Euro) gekostet, was ziemlich viel ist – dafür war es ein schicker Salon.
In die Projektarbeit bin ich wie die meisten anderen Volunteers nur beschränkt involviert. Meine zwei Arbeitgeber Alliance francaise de Samara (kurz AF; AF ist ein Zentrum für französische Sprache und Kultur) und Swallows (die Freiwilligenorganisation, welche unseren Austausch vor Ort organisiert) füllen meine Tage auf jeden Fall nicht mit erfüllenden, interessanten, sozial wertvollen Aufgaben.
Für AF habe ich neben Paketen auf der Post abholen schon seit einiger Zeit nichts mehr gemacht. War ich am Anfang noch in Vorträge, Konzerte und das Kinderlager involviert, beschränkte sich die Arbeit später darauf, raubkopierte Software auf den Computern im Büro zu installieren. Für kulturellen Angebote scheint Winterpause zu sein. Mitterweile herrscht im Büro eine ziemlich lethargische Atmosphäre, was sicher auch daran liegt, dass die zwei aktivsten (und nettesten) Mitarbeiterinnen (Diana und Schenja) den Laden verlassen haben – unter andern mit der Idee, eine eigene Freiwilligenorganisation (à la Swallows) zu gründen.
Auch bei Swallows läuft arbeitsmässig nicht gerade viel. Nachdem ich mich zwischenzeitlich mit meiner Chefin Olga etwas zerstritten hatte, ist aber wenigstens die Atmosphäre in den letzten Tagen etwas besser geworden, d.h. sie hat sich der Stimmung in AF angeglichen, welche im selben Grossraumbüro untergebracht ist. Nicht ganz zufällig fiel dies mit dem Ausscheiden von Diana und Schenja zusammen: Olga und Marjolaine, die Leiterin von AF, haben gerade peinlich offensichtlich Angst vor der möglichen Konkurrenz durch eine andere Organisation und versuchen, die Volunteers mit einer vorher nicht gekannten Freundlichkeit zu umgarnen. Wir werden sehen, wohin das führt. Die letzte mir zugeteilte Aufgabe, etwas Schönes über die Projekte aller Volunteers zu schreiben, d.h. alle Projekte zu besuchen, Fotos zu machen und den Volunteers zu ihrer Arbeit Fragen zu stellen, hat mir auf jeden Fall viel Spass gemacht. Ob des Resultat (welches hier später präsentiert wird) den Vorstellungen von Swallows entspricht, wird sich zeigen. Werbetexte sind es sicher nicht gerade geworden.
Ein Anlass, welcher nichts mit der Projektarbeit zu tun hatte aber trotzdem etwas in Richung ‘Arbeiten’ ging (und viel Spass gemacht hat), war ein Sprachwettbewerb für Schüler (Achtung, das wird jetzt etwas ‘Mein schönster Ferientag’ mässig!). Luis, ein ehemaliger Volunteer aus Spanien, welcher nach seinem Freiwilligenjahr wieder nach Samara zurückkehrte, jetzt hier als Spanischlehrer arbeitet und mit seiner Freundin (Diana – siehe oben) zusammen lebt, fragte Ana-Isabel, Charlotte und mich, ob wir bei diesem Wettbewerb als fremsprachige Jury teilnehmen möchten.
Vor zwei Wochen fand die erste Runde statt, bei welcher ich die Sprachkenntnisse der Schüler in 15 minütigen Einzelinterviews testete. Auf Französisch wohlgemerkt. Viele der Schüler (zwischen 14 und 18) wiesen ein bemerkenswertes Niveau in Französisch auf – ihr Spanisch und Deutsch sei nicht ganz so berauschend gewesen. Trotzdem recht bemerkenswert, dass alle Kinder an dieser Schule drei Fremdsprachen lernen (zur Auswahl stehen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch).
Im zweiten Teil des Wettbewerbes letzten Samstag, trugen schliesslich die besten sechs der 32 Teilnehmer einen Final aus, auch um sich einen ‘Super Preis’ zu erstreiten. Der Wettbewerb war in eine Mischung aus Einzel- und Gruppenarbeit verpackt, welche rund um eine ziemlich absurde Mission – zehn Leute in Europa vor Vogelgrippe zu retten – aufgebaut war. Ganz habe ich die Story nicht verstanden, gleichwenig wie die Teilnehmer. Die Aufgabe der Jury war es einerseits, das Verhalten der Kinder in der Gruppenarbeit zu bewerten und andererseits, mit einzelnen Teilnehmern Gespräche zu führen. Für die Bewertung sassen die Kandidaten in der Mitte eines Saales im Kreis, die Jury lief darum rum und spitzte die Ohren, am Rand sassen die Zuschauer, Lehrer und die Presse.
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Nach dem ersten Teil der Gruppenaufgabe musste eine individuelle Aufgabe gelöst werden. Ich spielte den Direktor einer Schweizer Bank und musste einem Mädchen 20 Minuten lang einen Kredit verweigern. Auf Französisch. Ana-Isabel hatte etwas mit einem Reisebüro zu tun, Charlotte war Versicherungs-Managerin. Meine Kandidatin meisterte die Aufgabe nicht schlecht – Französisch ist oft die erste Fremdsprache der Kinder – bei Deutsch und Spansich lief das ganze ziemlich händeringend ab. Die Kinder hatten weder verstanden, was sie machen mussten, noch verstanden sie Gegenfragen oder Hilfeleistungen – ziemlich ulkig. In der dritten Runde mussten dann verschiedene Rätsel gelöst werden, welche ich selbst auch erst gegen Schluss der Runde verstand: es ging darum, verschiedene Länder zu erraten und danach einen kleinen Vortrag über die gesamte Mission halten. Bei diesem Punkt konnte ich meine unglaubliche Vielsprachigkeit einbringen, weil ich als einziges Jurymitglied für alle Sprachen Punkte verteilen konnte. Macht!
Nach den Vorträgen führten Kinder der Schule verschiedene Tänze auf: spanische und englische Tänze, einen Cowboy Tanz, den Crazy Frog Tanz – immer in hübschen Kostümen. Sehr lustig und sehr russisch. Zuletzt dann die Preisverleihung mit vielen Reden und tollen Preisen. An die Gewinnerin des zweiten Preises ging eine Computer-Tastatur und Funk-Maus, an die Siegerin ein Flachbildschirm. Sicherlich sehr nett, aber haben die Kinder wirklich einen Computer zuhause? Nachdem ich im Namen der Jury eine kleine Rede geschwungen hatte, zogen wir uns mit den Lehrern in Lehrerzimmer zurück, schüttelten Hände mit einem (lokalen) Duma-Abgeordneten, erhielten Lehrerstellen angeboten und Pralinen und Champagner überreicht. Das ganze wurde übrigens auch am Fernsehen gezeigt. Wir sind Stars!
Zurück zur Realität. Le Monde Diplomatique schrieb in der Novemberausgabe in einem Special über Russland: ‘Zur Härte der Staatsmacht und zur Brutalität der sozialen Beziehungen, die ein Erbe der Sowjetzeit sind, treten die komplementären Merkmale des neuen Zeitalters: Zynismus des Marktes, Egoismus der Ellbogengesellschaft, Materialismus der Konsumgesellschaft. In Russland ist Menschlichkeit, wie anderswo auch, ein rares Gut.’ Auf in die nächsten neun Monate!
Im KM116 zu Gastronom und zurück
KM116 ist ein Wohnqartier im Süden Samaras, jenseits des Samara Flusses. Man erreicht es vom Zentrum per Bus in rund 30 Minuten. Die Umgebung ist geprägt von brauner Buschlandschaft, Steppe und schilfumrandeten Altläufen des Samara Flusses, wo die russischen Männer ihre Freizeit mit Fischen verbringen. Da diese kleinen Weiher seit einiger Zeit gefrohren sind, sitzen die Fischer auf Klappstühlen auf der Eisfläche und halten ihre Angelruten in Eislöcher, welche sie mit grossen Bohrern ins Eis geschabt haben. Rund um einige der Weiher gibt es dörflich aussehende Siedlungen mit meist einstöckigen Häusern. Weiter südlich folgen jedoch die typischen, wuchtigen, von Fernheizungs- und Warmwasserrohren durchzogenen Plattenbauten, welche auch den Hauptteil des Quartiers KM116 ausmachen. In einigen Kilometern Entfernung zum Wohnquartier (in Richtung Novo Kubishevsk) sind grosse Industrieanlagen – vermutlich Ölindustrie – auszumachen.
Das Zentrum des Quartiers, wo Charlotte wohnt, bildet der 24 Supermarkt ‘Gastronom’, welcher auch der Bushaltestelle den Namen gegeben hat. Rund um ‘Gastronom’ finden sich kleine Läden in Blechbuden, ein kleiner Markt mit den typischen blauen Marktständen und ein paar Kioske.
Freiwillig in Russland
Aino, 19, Finland
Projekt: Eine Bibliothek für Blinde, in welcher vier Angestellte für null Blinde Hilfe anbieten.
Wohnte: mit Linnea zusammen mit zwei jungen Russen, wurde dann aber aus nicht ganz geklärten Gründen (waren es die Kleider auf dem Boden, Geld oder Bürokratische Probleme?) rausgeschmissen und lebt nun in einer Gastfamilie.
Misc: Fotos, Unihockey und Kreuzworträtsel sind ihr Leben. Betreibt Kulturaustausch mit russischen Protestanten.
Alexander, 29, Schweiz
Projekt: Alliance francaise de Samara und ICYE Russland, wo er schwülstige Texte verfasst und für reiche Kinder Gymnastikstunden gibt.
Wohnt : mit Sander zusammen in einer Einzimmerwohnung (‘The Party Apartment’ da im Zentrum und in Gehdistanz zu verschiedenen Clubs.) Allerdings sind die beiden in einer Bewährungsperiode (kein Lärm und keine Gäste mehr) und werde vermutlich nächstens aus der Wohnung geschmissen, weil die Nachbarn neidisch auf die Popularität der Westeuropäer hier sind und es nicht ertragen, dass sie viel weniger Besuch erhalten als Sander und Alexander.
Misc: Sein Mentor (= russische Bezugsperson) Ivan besitzt über 5000 verschiedene Bleistifte und einen Supermarkt.
Ana-Isabel, 25, Spanien
Projekt: Ein Kinderheim oder sowas. Aufgabe unklar, d.h. die Projektleitung hat nur vage Ideen, welche Aufgaben sie Ana-Isabel geben sollen. Das liegt zum Teil auch daran, dass die eigenen Mitarbeiter ebenfalls keine echte Funktion erfüllen. Resulat: sehr geringe Auslastung, d.h. nur ein paar Stunden Arbeit pro Woche. Im Prinzip ist dies für die meisten Volontäre der Fall. Wirft natürlich ein leicht komisches Bild auf die ganze ‘Freiwilligenarbeit in Russland’ Sache. Dies gilt vor allem für die EVS Volontäre, welche von der EU bezahlt werden (und zwar nicht schlecht – dumme, dumme EU!), im Gegensatz zu den ICYE Leuten, welche den Einsatz selbst finanzieren (dies sind Alexander, Anne, Charlotte, Nadine und Sophie).
Wohnt : in einer Ungeziefer-verseuchten Wohnung mit einer irren alten Babuschka.
Misc: Wird von Sander gerne geschlagen, worüber sie jedoch nur lacht.
Andrej, 20, Deutschland
Projekt: Ein Spital für Veteranen, wo er als Hilfspfleger arbeitetm, d.h. vermutlich alte, hochdekorierte Haudegen in Rollstühlen rumschiebt.
Wohnt : Im kleinen Wohnheim einer deutschen Kirche im Zentrum von Samara.
Misc: Seit dem dritten Tag mit der Russin Olga liiert. Stichwort ‘Liebe auf den ersten Blick’. Trinkt abends gerne ein Bier.
Anne, 22, Deutschland
Projekt: Ein Spital, wo sie als Hilfpflegerin arbeitet. Dank guten Russischkenntnissen arbeitet sie von allen Volontären wohl am meisten.
Wohnt : mit einer irren alten Babushka, welche zum Beispiel an schädliche Magnet-Tage glaubt und eine völlig übersteigertes Mitteilungsbedürfnis hat.
Misc: Ist dank Russischkenntnissen – sie studiert in Leipzig Russisch und Polnisch – und lokaler Bekanntschaft am besten integriert.
Charlotte, 19, Deutschland
Projekt: Betreut und unterrichtet körperlich und geistig behinderte Kinder und könnte als Kreativ-Abteilung (und Sprachgenie) unter den Volontären gelten.
Wohnt : mit Elena, einer Mitarbeiterin von ICYE Russland im Kubishevski Rayon (oder 116ter Kilometer) im sogenannten ‘Luxury Apartment’, da mit Waschmaschine und Eisschrank (und und und…). KM116 ist eine aufstrebendes, fast schon hippes Aussenquartier von Samara.
Misc: Gebt mir einen Farbkasten und ich gebe euch die Welt!
Joshua, 23, England
Projekt: Studentenklub Woronesh, wo er ausländische und russische Studenten zusammenbringen sollte, was aus diversen Gründen nicht besonders gut klappt.
Wohnt : in Woronesh, ca. 800 km (oder 24 Zug-Stunden) von Samara entfernt mit 2 Hunden, einer Katze und einer Russin zusammen.
Misc: Kann jedes Musical auswendig vorsingen und wird nicht nur deshalb in Samara schmerzlich vermisst.
Linnea, 24, Schweden
Projekt: Arbeitet mit Down-Syndrom Kindern (und deren Müttern)
Wohnte: mit Aino zusammen mit zwei jungen Russen, wurde dann aber rausgeschmissen und lebt nun in einer Gastfamilie.
Misc: Bäckt hervorragende Hefe-Schnecken!
Mervi, 23, Finland
Projekt: Leitet eine Mädchen-WG, welche einem Waisenhaus angegliedert ist. Die Aufgabe scheint ein 24 Stunden Job zu sein.
Wohnt : mit sechs russischen Mädchen irgendwo in einem Aussenquartier.
Misc: Führt als Vegetarierin ohne Küche und Waisenhaus-Mensa Food ein hartes Leben.
Nadine, 20, Schweiz
Projekt: Alliance francaise de Toljatti, wo sie Deutsch unterrichtet und Kindern Rammstein Songs übersetzt.
Wohnt : mit einer Französin zusammen in Toljatti, der Stadt rund um die Lada-Fabrik, rund zwei Stunden von Samara entfernt. Die Wohnung sieht auf den ersten Blick recht luxuriös aus und beitet einen fantastischen Ausblick auf ein russisches Stadtpanorama – offene, weite Sicht auf Kirchen, Plattenbauten, weite Boulevards und architektonisch interessante offizielle Bauten. Leider funktioniert in der Wohung kaum was, wodurch das Leben in Toljatti härter als nötig ist.
Misc: Nadine entwickelt sich in der Isolation Toljattis zum Aikido Pro.
Nicolas, 19, Deutschland
Projekt: Aidsprävention, 3 Stunden die Woche
Wohnt : bei einer alten Deutschlehrerin
Misc: Nimmt Fecht-, Klavier-, Violine- und Französisch Unterricht – aber kein Russisch.
Sander, 18, Belgien
Projekt: Eine Schule für kriminelle Teenager, wo er als Animateur, Betreuer und Lehrer arbeitet. Und ein zweites Projekt mit russischen Jugendlichen, mit welchen er diese merkwürdigen russischen Spiele, welche immer einen leichten Hang zum Sadismus haben, spielt.
Wohnte: Anfangs bei einer Gastfamilie, welche ihm drei Mal am Tag Kartoffeln vorsetzte. Jetzt mit Alexander, welcher ihm freundlicherweise sein halbes Schlafzimmer zur Verfügung stellt.
Misc: Wurde hier schon für das Fernsehen und ein Teenager-Magazin interviewt.
Sergio, 24, Spanien
Projekt: Ein Spital, wo er als Hilfspfleger und Kisten-Macher arbeitet.
Wohnt : keine Ahnung wo.
Misc: Ist schon sieben Monate hier.
Sophie, 26, Frankreich
Projekt: Eine Französischschule in Ivanova.
Wohnt : in Ivanova
Misc: Wurde nach zwei Wochen nach Ivanova, zwei Zug-Tage von Samara entfernt, versetzt.
Sechs mal Hackfleisch-Bällchen
Die letzten zehn Tage war ich von Alliance Francaise in ein Sprachlager für reiche Kinder im Alter von acht bis 15 Jahren abkommandiert. Reich? Nun, das Ausflüglein kostete, wie ich am zweitletzten Tag herausfand, pro Kind 8000 Rubel (ca. 400 sFr. oder 250 Euro), was bei einem Durchschnittseinkommen von 7700 Rubel in Russland, d.h. vermutlich einiges unter 7000 in Samara, ein kleines Vermögen ist – und man hat hier nicht einfach mal einen Monatslohn für Müssiggang übrig. Die Eltern der Kinder waren dann auch durchwegs Direktoren, Politiker, Manager… Mit der Idee, etwas Karitatives zu tun nach Russland kommen und dann zehn Tage lang den Hampelmann für die Sprösslinge der Oberschicht machen? Na bravo!
Aber das ganze von Anfang an: Das Lager fand in der Nähe von Novokubishevsk, einer grösseren Stadt rund eine Stunde südlich von Samara statt. Am ersten Tag fuhren wir mit einem Bus (der normalerweise wegen der kostbaren Fracht von zwei Polizeiautos eskortiert würde, wie man mir erzählte – warum diesmal nicht?) vom Zentrum Samaras über den Samara-Fluss und via Kubishevski Rayon (ein Aussenquartier, auch 116ter Kilometer genannt) in das ‘Sanatorium’, welches uns für die Dauer des Lagers beherbergen sollte. In der Umgebung von Novokubishevsk scheint es Öl zu geben, was sich einerseits in massiven düster-schmutzigen Industriekomplexen mit riesigen weiss-roten Kaminen und den charakteristischen ‘Fackel-Türmen’ zeigte, aber auch darin, dass einem Logos von vielen bekannte Ölfirmen (u.a. auch die fast omnipräsente Jukos, der Firma von Chodorowski) begegneten und man das Wort ‘Neft’ (Öl) überall las, z.B. in Namen von Sportclubs, Strassen oder Firmen-Beschreibungen (z.B. Neft-Transport).
Das Sanatorium befindet sich vielleicht zwanzig Busminuten ausserhalb der Stadt in einer einer kleinen, heruntergekommenen Siedlung, welche auf den ersten Blick wie ein verwahrlostes Industriequartier aussah, inmitten einer braunen, ausgetrockneten, flachen Steppen-Landschaft, durchzogen von auffallend vielen Hochspannungsleitungen und den üblichen wattig isolierten Röhren (vermutlich die Fernheizung) mit U-förmig nach oben gebogenen Durchlassen für Strassen oder Feld-Zufahrten. Nun, auf den zweiten Blick stellte sich heraus, dass diese Ansammlung von rund zehn drei- bis vierstöckigen Gebäudekomplexen nicht ein Industriequartier, sondern sozusagen ein Kurort ist. Die meisten Gebäude sind mit ‘Prophylaktorium’ oder ‘Sanatorium’ angeschrieben, wobei der Zustand der Häuser und deren karge Umgebung eher wenig Vertrauen in die Effektivität der angebotenen prophylaktischen Behandlungen zu wecken vermögen. Kurz: das Lager fand an einem äusserst merkwürdigen, trostlosen, verluderten, schäbigen kleinen Ort inmitten einer ebensolchen Umgebung statt. Gut gewählt, Alliance!
Das Ziel des Lagers war es, den etwa 25 Kindern in zehn Tagen zwei Sprachen (Deutsch, Französisch oder Englisch standen zu Auswahl) zu vermitteln. Zu diesem Zweck standen jeden Tag drei Stunden Sprachunterricht auf dem Programm; ich ‘unterrichtete’ ohne Ankündigung und entsprechend ohne Vorbereitung oder irgendwelches Material Deutsch. Über den Erfolg meiner Lektionen brauche ich wohl nichts zu sagen… Schande! Ein kleines Detail: Da die anderen Lehrer scheinbar mit hundertjährigen Lehrgängen und Wörterbüchern arbeiten, schlichen sich in die verteilten Unterlagen (Texte, Tagespläne, Briefe etc.) unmögliche Wörter ein, z.B. Kührung für Behandlung, Tageordnung für Tagesprogramm oder Aufstand für Aufstehen. Meine Korrekturvorschläge (‘es heisst EIN Lager und nicht EINE’) wurden meist mit Begründungen wie ‘klingt besser so’ oder ‘das stand so im Wörterbuch’ abgetan.
Neben dem Sprachunterricht erhielten die (kerngesunden) Kinder täglich zwei Stunden Gesundheits-Behandlung (genannt Prozedur). Um die Art der Behandlung festzulegen, mussten sie vor dem Lager ein ziemlich ausführliches Kranken-Dossier erstellen lassen und dieses am ersten Tag mit einer Ärztin (oder etwas in dieser Richtung) besprechen. Mich wollte Alliance auch so einer Untersuchung mit anschliessender Prozedur unterziehen. Ich weigerte mich aber standhaft, für eine solches Dokument in Russland unnötige Röntgenaufnahmen meiner Lungen anfertigen zu lassen, weshalb schliesslich unsere Bekannte Dina auf dem offiziellen Briefpapier ihrer Kinder-Poliklinik bestätigte, dass ich gesund und in der Lage, Kinder zu unterrichten sei. Spasiba! Nun, die Kinder (und auch einige der Leiterinnen) erhielten also jeden Tag mehrere prophylaktischen Behandlungen, unter anderem Aromatherapie (ein Luftbefeuchter mit Duftessenzen), Hydrothermotherapie (Sauna), verschiedene Massagen, Aquatherapie, Magnetotherapie, Lasertherapie. Eine 21 jährige Leiterin wurde z.B. wegen zu hohem Blutdruck (80 auf 130 – oh Schreck!) mit einer Spritze (oder nur einem Stich? – bin nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe) in den Oberarm behandelt, mit dem Resultat, dass sie danach für einen halben Tag ihre Hand nicht mehr spürte.
In meinen Augen waren diese Prozeduren sowieso für die Katz, da eine allfällige positive Wirkung garantiert durch das nervenaufreibende Interieur des Sanatoriums ruiniert wurde. Dass Russen einen Hang zur Kunterbuntheit haben, sahen wir schon in meiner kleinen Sammlung von (Tapeten-) Mustern. Hier trafen diese aber in einer solch konzertierten Dichte aufeinander, dass ich zwischendurch immer mal wieder das Bad aufsuchen musste, um meine Augen an der (beigen) Badezimmertür, der einzigen einfarbigen Fläche, auszuruhen. In meinem Zimmer z.B. gabt es mindestens 13 verschiedene Muster: fünf verschieden gemusterte Tapeten und acht weitere Muster auf einem Sessel, einem Stuhl, einem Teppich, dem Boden, der Bettdecke, dem Kissen, dem Bettüberwurf, dem Bett. Dasselbe Bild zeigte sich in der gesamten ‘Innenarchitektur’ dieses Gebäudes. Gemusterte Teppiche auf gemusterten Böden treffen auf gemusterte Kacheln (Platten) an den Wänden, an welchen gemusterte Bilder hängen, vor welchen gemusterte Sofas stehen, welche auf gemusterte Vorhänge (mindestens zwei verschiedene pro Fenster) treffen, die von gemusterten Decken hängen. Und natürlich keineswegs in jedem Raum die selben Muster für die selben Elemente. Der reinste Horror!
Zusätzlich zur optischen Belastung war diese Bude auch dermassen überheizt (30 Grad würde ich schätzen), dass man abends richtig weich gekocht war. Dagegen ist die Novo Sadovaja ein Kühlschrank! Ich liefe den ganzen Tag in Sandalen und im T-Shirt rum und mir war immer noch unerträglich heiss. Mörderisch! Trotzdem ging ich am Mittwoch mit den Jungs in die Sauna – endlich das erste russische Banja-Erlebnis! Die Saunakabine sah aus wie ein in die Mitte eines türkis gekachelten Schlachthofes gestellter, behelfsmässiger zusammengenagelter Bretterschuppen, wobei ein grosser rostiger Käfig den grössten Teil des Innenraums einnahm. In diesem Käfig befand sich der Ofen, welcher mit grossen rostigen Maschinenteilen, alten weissen Keramik-Lampenfassungen und diesen Keramik-Isolations-Dingern, welche man bei uns auf alten Telefonmasten und Stromleitungen sieht, gefüllt war. Diese ersetzten wohl die sonst üblichen Steine (normal sei eine solche Befüllung keineswegs, sagte man mir). Nach fünf sehr heissen Minuten – viel heisser als von zuhause gewohnt – ging es zur Abkühlung ins hauseigene ‘Schwimmbad’, welches zwar eher wie eine Kühlwasserbehälter eines Reaktors oder ein Laugebecken eines Chemiewerks aussah, aber seinen Zweck erfüllte. War zwar nicht gerade der super-entspannende Sauna-Nachmittag, hat aber trotzdem Spass gemacht.
Neben Sprachunterricht, Prozeduren und Saunagängen bestanden die Tage im Lager aus irgendwelchen Spielen am Nachmittag, meist mit dem Hintergrund, ein Monster namens ‘Nouveau Riche’ (fand ich zu Beginn ulkig, mit dem Hintergrund, dass dies alles reiche Kinder waren, scheint das aber schon ziemlich schizophren! crazy Russians!) zu suchen, und Tanz- oder Singaufführungen am Abend, für welche nachmittags kleine Nummern einstudiert wurden. Beim Abendprogramm fuhren die Kinder und Leiterinnen aufgebombt in Schminke und Ausgeh-Garderobe auf: Highheels, fesche russischen Stiefel, Superkurz-Miniröcke, transparente Tops oder richtige kleinen Abendkleider. Ohne Styling und unrasiert habe ich trotzdem mit den mir zugeteilten Harry Potter Nummern (russisch: Garry Potr) und bei einem Tanzwettbewerb ziemlich abgeräumt, was mich in der Beliebtheitsskala der Kinder weit noch oben katapultierte und zur Folge hatte, dass diese für die Dauer des Lagers auf mir rumkletterten, mich ansprangen, mir auflauerten, mich rumhetzten – that kinda shit. Für die meisten Kinder war ich übrigens ‘Schurik’. Die Russen haben ja einen ausgeprägten Hang zu Kosenamen, weshalb ich hier nie Alex heisse, sondern Aleksandr, Sascha, Saschenka, Aleksaschka oder eben Schurik – ganz klar mein Favorit, wobei ich aber immer noch nicht sicher bin, ob mich die Kinder verarschten und mir was ganz Übles an den Kopf warfen. Mit den Russisch ist es echt noch so eine Sache.
Was man auch ohne Sprachkenntnisse gut versteht, ist die lokale Küche: In einem Lager, wo man ernährungsmässig gewissermassen entmündigt ist, spielt das einem aufgetischte Essen für das Gemeinwohl und die Stimmung eine nicht zu unterschätzende Rolle. In unserem Fall kann ich dies mit einem von mir zusammengebröselten russischen Satz, welcher bei den Kindern sehr gut angekommen ist, zusammenfassen: Povar gatovil dlja svini (der Koch kochte für Schweine).
Die Menus setzten sich immer aus folgenden Hauptbestandteilen zusammen:
- Würstchen (nur zum Frühstück), Hackfleisch-Bällchen, Poulet (Hühnchen: ein ganzes Hühnerbein), geschnetzeltes Fleisch oder ein Block Fisch mit
- Teigwaren (fettig), Kartoffelstock (Püree) oder etwas in Richtung Buchweizen (auch fettig)
Dazu gab es
- zum Frühstück: Haferschleim, eine Art Frischkäse-Quark-Schleim, Eierschnitten (eine industrielle Zwischenstufe von Rührei und Souflé?) oder Kombinationen davon (z.B. Eierschnitten mit Hackfleisch und Nudeln drauf). Dazu Brot, Butter (mit einem Messer für fünf Personen) und Kakao (mit Pelz).
- zum Mittagessen: Suppe (meist recht lecker), ein kleiner russischer Salat (gewürfeltes Gemüse mit Mayonnaise) und ein Glas (grässlichen) ‘Fruchtsirup’, ähnlich dem Zuckersirup in eingedosten Früchten, meist sehr hübsch (künstlich) gefärbt und mit einigen (Büchsen-) Früchten dekoriert (die man aber scheinbar nicht isst).
- zum Abendessen: Ein kleiner russischer Salat, ein süsses Gebäck und eine Tasse Schwarztee.
Die Buchhaltung meldet also vier Arten von Fleisch mit drei verschiedenen Beilagen, kein Gemüse, eine Art Salat und drei verschiedene Getränke plus drei weitere Frühstücks-Bestandteile. Der Winner dieser zehn Tage waren ganz klar die Hackfleisch-Bällchen, welche uns sechs mal aufgetischt wurden, gefolgt von den Hühner-Beinen mit fünf Punkten. Und wir haben dem Koch drei Mal applaudiert dafür!
Vieles in diesem Lager hatte für mich (als Schweizer) einen ziemlich sovjetischen Beigeschmack. Von der Umgebung über die Inneneinrichtung, das Personal, das Essen bis zu den ‘Präsidentschaftswahlen’, wo die Kinder einen Präsidenten für ihre Unterrichtsgruppen wählten. Ein-Kandidaten-Wahlen mit kleinem Wahlkampf, bei denen der Kandidat ein völlig überzeichnetes, unrealistisches Traum-Programm präsentierte und trotzdem beklatscht und nach dem Wahlsieg abgefeiert wurde, als ob er in sich gegenüber einem Konkurrenten profiliert hätte. Ja klar, es sind nur Kinder. Aber würden dies Kinder zuhause auch so machen? Nach der erfolgreichen Wahl mussten die Sieger in einer recht bürokratischen Prozedur auf ein Wörterbuch schwören und einen Vertrag unterschreiben. Danach erhielten sie für null Arbeit eine Menge ‘Lagergeld’ ausbezahlt, mit welchem sie sich Dinge kaufen oder Minister anstellen konnten. Ganz wie im richtigen Leben halt.
Nun, für mich war dieser Ausflug interessant aber auch sehr anstrengend – Programm von acht Uhr morgens bis elf Uhr nachts und danach noch stundenlange Besprechungen für den nächsten Tag. Was mich neben dem ganzen ‘Bonzen unterhalten’ Aspekt genervt hatte, war die Fotografier- und Dokumentationswut der LeiterInnen, welche wirklich jeden Furz der Kleinen ein Dutzend mal abfotografierten, so dass man das Gefühl kriegte, dieses Lager und die kleinen Konzerte würden nur veranstaltet, um Fotos davon machen zu können, mit welchen man danach wieder neue Kinder in ein Lager locken kann. Eine sehr positive Erfahrung hingegen waren die meisten Kinder, welche trotz Geld im Rücken und vollem Stundenplan fast immer fröhlich und voller Energie rumhüpften. Ausserdem zeigten sie in einer Parodie-Show am letzten Abend, dass sie das ganze nicht so ernst nahmen, wie man zwischendurch hätte meinen können. Recht scharfzüngig wurden Leiterinnen, Kinder und Einzelheiten aus dem Lagerleben auf die Schippe genommen. Aber eben: mit einem bisschen Geld im Rücken ist man einfach leichter locker und lustig. Nein echt, so eine Verarschung!



































































