Kauft man in Russland ein neues elektronisches Gerät, wurde dieses mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht in Russland selsbt designt oder produziert. Moderne russische Unterhaltungs-Elektronik scheint, abgesehen von den auch bei uns bekannten Marken für Optik (z.B. Zenit), nicht zu existieren. Zu Sovjetzeiten war dies ganz anders: da für den Heimmarkt ausländischen Produkte viel zu teuer waren, wurden damals viele eigene Geräte produziert, meist unter dem Markennamen электроника (Elektronika). Diese waren oft Kopien westlicher Produkte, welche per ‘reverse engineering‘ analysiert und nachgebaut wurden.
Sehr schön sieht man dies am oben abgebildeten Computerspiel, einem электроника им23 автослалом (Autoslalom) aus den späten 80ern, welches doch sehr stark an die original Nintendo Game & Watch erinnert.
Gekauft habe ich das hübsche Ding auf dem ‘Büchermarkt‘ in Samara. Die Uhr (электроника 5) und der Reisewecker (электроника 22-10) erstand ich auf einem grossen Flohmarkt am Stadtrand Moskaus, wo die Moskauer ihren Hausrat verkaufen, um etwas zu Lohn oder Rente dazu zu verdienen. Der Markt findet am Wochenende neben der Elektritschka-Station (die электричка ist die russische S-Bahn) Платформа Марк (Platforma Mark) statt und ist sowohl soziologisch, wie auch angebotsmässig sehr interessant – und eine gute Möglichkeit, Bedürftige zu untersützen.
So kommt man zu diesem Markt: Man fährt mit der grauen Metrolinie (Linie 9, Серпуховско-Тимирязевская – Serpuxovsko-Timirjazevskaja) nach Norden bis zur Endstation Алту́фьево (Altúf’evo). Von dort aus fahren Busse und Minibusse (z.B. 92, 98 oder 685) in rund 15 Minuten zu Платформа Марк (Platforma Mark).