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Wo kauft man in Russland Brot? Wo etwas zu trinken – speziell natürlich Alkohol? Wohin bringt man seine Schuhe zur Reparatur? Natürlich in eine der tausend Buden oder Kioske, welche auf den Gehsteigen, an Bushaltestellen, bei Einkaufszentren oder in Wohnquartieren rumstehen und meist von morgens früh bis abends spät geöffnet sind. Hier eine kleine Auswahl dieser Vorboten der 24/7 Gesellschaft.
Archiv für den Monat Juni 2006
Panorama-Ansichten Samaras
Das falsche Gras angesät
Ladja ist in Samara ein Denkmal an der Volga in Form eines historischen Segelschiffs, aber auch der meines Nachbarhauses, laut Eigenwerbung das beste ‘Projekt’ Samaras 2005. Dieses Projekt ist ein aus drei Türmen bestehendes Luxus-Wohnhaus aus Glas und Beton – schicke Wohnungen für die Reichen in Toplage. Obwohl wir schon seit einiger Zeit 2006 schreiben, ist der dritte der Türme erst am entstehen und es sieht nicht so aus, als ob daraus dieses Jahr noch viele ihre teuren aber exklusive Aussichten geniessen könnten.
Was zu Beginn des Frühlings trotzdem schon angegangen wurde, war die Begrünung der Umgebung des einen schon bezugsbereiten Turmes. ‘Sieht nicht gerade hübsch aus, unser Gärtchen’, wird der Bauleiter zu seinen usbekischen oder tadschikischen Arbeitern gesagt haben. ‘Sät mal ein ein wenig Gras an, damit wir die potentiellen Kaufinteressenten nicht abschrecken.’
So grünte es bald rund um den Palast. Was dort spriesste, sah zunächst aus wie etwas lückig gesäter englischer Rasen, welcher dann bei heissem Frühsommerwetter auffallend schnell in die Höhe schoss. Nur Tage später waren die Pfänzchen dann aber eigentlich schon einiges zu gross für Poa pratensis und Konsorten und irgendwie erinnerten mich die fünfgliedrigen, fein gezackten Blätter definitv an eine andere Pflanze.
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Ende Mai war dann auch ohne Bestimmungsbuch klar: ich wohnte seit kurzem tatsächlich neben Russlands grösstem öffentlichen Hanffeld. Sind die Russen weichen Drogen gegenüber etwa so liberal eingestellt? Russland ist zwar, wie letzhin ein Taxifahrer meinte, ‘das freiste Land der Welt, wo jeder macht, was er will – wann und wie ihm dies beliebt’. In Sachen Betäubungsmittel fährt Moskau jedoch immer noch einen konservativen Kurs:
“Our position concerning the issue of drug legalization is absolutely negative. It will remain unchanged regardless of any factors. We are against it,” said Assistant Director of the Commission Lieutenant General Alexander Mikhailov in his interview with “Interfax”.
Quelle: Pravda.ru, 03.02.2004.
Anfang Juni waren die Hanfpflanzen dann so gross, dass auch dem Nicht-Botaniker der Unterschied zum gewöhnlichen Gras ins Auge stechen musste. So verpetzte irgend jemand das kleine Liberalisierungswunder dann bei den Lokalnachrichten des Staatssenders Rossia, welcher letzte Woche darüber berichtete. Ein Vertreter der Baufirma konnte sich im Beitrag nicht erklären, wie der Irrtum zu Stande kam. In den 21 Jahren, die er überblicke, sei dies das erste Mal, dass so etwas vorkomme. Er versprach aber, die Pflanzen würden demnächst verschwinden.
Einge Tage später zupfte dann prompt ein Arbeiter die meisten der Pflanzen aus, nur einige wenige am Rand der Baustelle und in Gebüschen blieben stehen. Schauen wir mal, was daraus noch wird.
Москва – Петушки
“Все это я видел совершенно отчетливо и свидетельствую об этом миру. Но вот всего остального – я уже не видел, и ни о чем не могу свидетельствовать. Краешком сознания, самым-самым краешком, я запомнил, как выходящая в Орехово лавина публики запуталась во мне и вбирала меня, чтобы накопить меня в себе, как паршивую слюну, – и выплюнуть на ореховский перрон. Но плевок все не получался, потому что входящая в вагон публика затыкала рот выходящей. Я мотался, как говно в проруби. И если там господь меня спросит: “Неужели, Веня, ты больше не помнишь ничего? Неужели ты сразу погрузился в тот сон, с которого начались твои бедствия?..” – я скажу ему: “Нет, господь, не сразу…” краешком сознания, все тем же самым краешком, я еще запомнил, что сумел, наконец, совладать со стихиями и вырваться в пустые пространства вагона и опрокинуться на чью-то лавочку, первую от дверей…”
Aus Venedikt Erofeev: Moskau – Petushki, 1974.
Kofe Arabika ‘Pjotr Velikij’
Die Russen trinken Schwarztee in Massen, das ist nicht nur ein Klischee. Darum wohl ist Kaffee in Samara ein Nischenprodukt und entsprechend teuer. 250 Gramm mittelmässiger, gemahlener Kaffee kosten um 100 Rubel (4.5 CHF, 3 Euro), internationale Marken wie Chicco D’Oro um 200 Rubel für die gleiche Menge. Ganz schön viel Geld hier.
Muss ich meine Tage im Kindergarten deswegen ohne Kaffee beginnen? Zum Glück nicht, denn es gibt hier als angenehme, kostengünstige Ausnahme den ‘Kofe Arabika Pjotr Velikij’ (Peter der Grosse). Der kostet um 40 Rubel und schmeckt auch einigermassen ok. Eher speziell jedoch die Winteraktion: vom Preis jedes Pakets ging ein Rubel an die russische Armee. Im Prinzip ist das natürlich eine sehr lobenswerte Initiative, wissen wir doch nicht erst seit den letzten Skandalen (die Prügelaffäre: gedeckt von den Vorgesetzten schikanierten ältere Rekruten die jüngeren systematisch, in einigen Fällen mit Todesfolgen) um die Missstände in der ehemaligen Roten Armee. Andererseits…




