Die Schweiz in Russland

 

Neulich in Saratov: ich stand an der Bushaltestelle und meinte, meinen Augen nicht zu trauen, fuhr doch anstelle eines der üblichen russischen Busse tatsächlich ein original schweizer Postauto vor. Für Nichtschweizer: Postautos sind Regionalbusse, welche von der Schweizerischen Post betrieben werden und neben dem Personentransport zumindest früher auch dazu dienten, die Post von den Regionalzentren in die Dörfer zu verteilen. Stand da also dieses Postauto des Regionalverbundes Aargau und gab vor, einen Bus der Linie 11 zu verkörpern. Wie seltsam.

Nur Minuten später – die Busse verkehren hier zum Teil im 30 Sekunden Takt – wurde es noch seltsamer, kam doch ein merkwürdig bekannt aussehender blauer Bus angerollt: Mercedes, marineblau mit weissen Streifen? Genau, ein Bus des VBZ, der Verkehrsbetriebe Zürich, komplett mit Werbeaufschrift für das ‘Automobilcenter Zürich JHKeller AG’. Danach ging es Schlag auf Schlag: ein Postauto ‘Zürich’, ein weiterer VBZ Bus, zwischendurch mal einer französischen, ungarischen oder deutschen Ursprungs (‘Mit dem Bus zum Zoo Heilbronn’) und zuguter letzt noch einer des Verkehrsverbundes Zürcher Oberland, innen komplett mit Liniennetz-Plan, der Infothek mit alten Fahrplänen (später sah ich einen mit der kompletten Fahrplan Palette) und der Warnung ‘Bitte kein Geld aus dem Fenster werfen’ (Schwarzfahren kostet 80 CHF).

Die Busse waren übrigens in tipp toppem Zustand und man kann nur rätseln, warum sie auf einmal in der russischen Provinz verkehren und auf welchen Wegen sie sich hierhin verirrten. Eine Nachfrage VBZ ergab folgendes:

Sehr geehrter Herr Burkardt

Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme. Die Situation muss recht komisch sein und bringt uns zum schmunzeln.

Ein VBZ-Bus hat etwa eine Lebensdauer von 10 – 12 Jahren, danach wird er ausgemustert und verkauft. An seiner Stelle wird ein neuer, modernerer Bus gekauft der dann den Betrieb aufnimmt.

Oftmals werden die Busse dann im neuen Land nicht umgestrichen, weshalb Sie die VBZ-Busse in Russland gesehen haben. Wir hoffen, die Busse wecken in Ihnen angenehme Erinnerungen an die Heimat und wünschen Ihnen einen guten Einsatz.

Freundliche Grüsse

Verkehrsbetriebe Zürich

Jeanette Bruder
Kundenservice

Zu Besuch in Saratov


Saratov liegt rund 400km südwestlich von Samara, auf halber Strecke nach Volgograd (Stalingrad), stromabwärts an der Volga. Rund um Saratov siedelten sich ab dem 18ten Jahrhundert viele Deutsche Bauern an, die sogenannten Volgadeutschen, welche anfangs des 20sten Jahrhunderts eine Population von rund 1.5 Millionen erreichten. Wohl aus diesem Grunde wird Saratov ein spezifisch deutsches Flair nachgesagt, welches sich für mich jedoch nur in bescheidenem Ausmasse zeigte – wohl auch, da Stalin die Volgadeutschen nach Deutschlands Überfall 1941 pauschal als Kollaborateure brandmarkte und sie ins Exil trieb oder nach Sibirien verbannte. Rund eine Million Überlebende des Gulags wurden zwar nach Stalins Tod (1953) freigelassen, sie durften jedoch nicht in ihre Herkunftsregion zurückkehren.

Heute ist Saratov eine geschäftige, saubere Stadt mit rund einer Million Einwohnern. Sie erstreckt sich, ganz ähnlich wie Samara, entlang der hier um einiges breiteren Volga, ist jedoch durch eine drei Kilometer lange Brücke mit der kleineren Schwesterstadt Engels, ehemalige Hauptstadt der Volgadeutschen Autonomen Republik und heute Standort eines Atomkraftwerks, verbunden.

Mittelpunkt Saratovs ist eine lange, verkehrsbefreite Einkaufsstrasse, der Prospekt Kirova, wo vor allem abends jung und alt entlang der schicken Boutiquen und der auffällig vielen Cafes flanieren. Im ganzen Stadtzentrum und entlang der Volgaprommenade finden sich relativ viele schöne architektonische Zeitzeugen, zum Beispiel gut erhaltene Jugendstilhäuser.

Anmerkung: Wir hatten nicht gerade das allertollste Wetter in Saratov, darum nur eine kleine Auswahl an Bildern.

They Swallowed my Notebook

Tag 29: Anruf bei der Schweizer Botschaft in Moskau, in der Hoffnung, dass dort ein Rechtsdienst oder eine vergleichbare Abteilung existiert, welche in solchen Fällen Unterstützung liefern könnte. Nach einer kurzen Besprechnung mit einer russischen Assistentin wurde ich mit einem Herrn Neuenschwander verbunden, welcher mich sehr freundlich und in sympathischem ostschweizer Dialekt ermunterte, doch einfach noch ein wenig geduldig zu sein; die Schweizer Botschaft könne einem bei solchen Problemen leider nicht weiterhelfen.

Tag 33:Bei Swallows sind immer noch keine Zolldokumente und keine Rechnung eingegangen. Bevor ich dort nachfragte, erhielt ich die folge SMS meines Bruders Philipp :

Und es dreht sich alles im Kreis: Elena habe von TNT Russland mal den Auftrag erhalten, ein Schreiben aufzusetzen,welches bestätigt, dass du nicht zu Swallows gehörst. Sie warten immer noch, wollen es dann dem Zoll geben. Und dann… ja dann will vermutlich der Zoll auch noch mal eins und dann nochmals von mir und sie werdens immer noch nicht glauben und die Verzollung hat noch nicht mal angefangen… Eine weitere Person von TNT sagt, das werde eine langwierige Angelegenheit mit dem Verzollen und es müsse so oder so gemacht werden. Wie wäre es mit retour senden? In einem Monat ist es dann vermutlich wieder zuhause und einen weiteren später kann ich es dir mitbringen. War doch nicht so eine gute Idee, es nach Russland zu senden. Doch wer hätte sowas geahnt?

Meiner Meinung nach hatte Elena die Erklärung, dass ich nicht zu Swallows gehöre, schon vor drei Wochen an den Zoll geschickt. Darum fragte ich dort bei Tatjana Chita nach, warum man dieses Schreiben jetzt nochmals schicken müsste. Sie meinte bestimmt, sie hätten ein solches nie erhalten und wir sollten dieses doch an eine Anja oder eine Svetlana faxen.

Die Nachfrage bei Elena ergab, dass Swallows dieses Schreiben wirklich nicht verfasst hatte, weil die Chefin Olga dies aus nicht näher bekannten Gründen nicht wollte.

Einschub: der Einfachheit halber hatte ich zunächst nicht erklärt, dass zwei verschiedene Elenas für mich den ‘Paketfall’ bearbeitet hatten. Zuerst war dies Elena T. von Swallows, ab deren Ferienbeginn am Tag 20 Elena V. von Alliance Francaise.

Olga hatte also Elena T. verboten, diesen Brief zu schreiben, was diese mir jedoch nicht mitteilte. Dadurch verschleppte sich die Angelegenheit um mehr als zwei Wochen und es ich nun verständlich, warum alle Nachfragen zu nichts führten. Auch die Nachfrage bei Olga brachte nichts, sie hatte sich im Büro bis am 10ten abgemeldet und war auch zuhause nicht zu erreichen.

Tag 34: Ich versuchte, Tatjana Chita die Lage zu erklären und sie zum Weitermachen ohne die Erklärung von Swallows zu bewegen. Dabei kam allerlei Erhellendes an den Tag. So verstand ich endlich, dass Tatjana Chita und die meisten anderen Personen (ausser der Zollhotline), mit denen ich telefoniert hatten, gar nicht vom russischen Zoll waren, sondern von TNT Russland. Darum auch dieser rege Austausch komischer Infos (die Nummer von Elena zum Beispiel) mit TNT Schweiz. TNT Russland organisiert bei den Empfängern ihrer Sendungen alle nötigen Unterlagen und reicht diese dann gesammelt an den Zoll weiter. In meinem Fall meinten sie, dass sie ohne die Erklärung von Swallows nicht weitermachen könnten.

Gäbe es ein alternatives Vorgehen? Wenn Swallows nicht erklärte, dass ich nicht für sie arbeite, würde das Paket als Geschäftssendung betrachtet, wodurch Swallows für das Auslösen desselben die Prozedur für Firmen, natürlich um einiges aufwändiger, durchlaufen müsste. Was sie bestimmt nicht machen werden. Die Schweizern meinten auf Nachfrage, dass die Verzollung auch mit der Erklärung schwierig und langwierig werden würde – warum auch immer.

Tag 35: Da wir nun endgültig in einer Sackgasse zu stecken schienen, entschieden wir, das Paket in die Schweiz zurückzuziehen. Der Auftrag dazu wurde TNT Schweiz gegeben.

Die aktuelle Satusmeldung: 15 Mai 2006, 13:00, Moscow: Empfänger Hat Die Annahme Verweigert. Jaja, schon klar.

3 Monate im Land der Zwerge

 

Seit rund drei Monaten arbeite ich nun schon als Hilfkraft in einem Kindergarten, wo ich mich zur Hauptsache mit Akim, einem sechsjährigen, autistischen Jungen beschäftige. Zeit eine kurze Bilanz zu ziehen.

Im Kindergarten arbeite ich hauptsächlich mit vier Personen zusammen, den beiden rund vierzigjährigen Erzieherinnen Natalja Genadina und Vera Ivanovna sowie deren Helferin Tatjana Genadina, welche unsere rund 30-köpfige Gruppe betreuen und der rund 20-jährigen Psychologin Tanja. Neben diesen gibt es noch die Erzieherinnen anderer Gruppen, je eine Mathematik-, Musik-, Sport- und Zeichenlehrerin sowie technisches und Verwaltungs-Personal.

Mit dieser Besetzung läuft jeder Kindergartentag prinzipiell sehr ähnlich ab. Nach dem Frühstück um halb neun, welches im gruppeneigenen Spiel- und Esszimmer eingenommen wird, begibt sich die Gruppe ins Schlafzimmer zum ‘utrennij sbor’, der morgendlichen Versammlung. Dort sollten die Kinder ruhig in einem Kreis sitzen, sich begrüssen, den Tagesablauf anhören und meist einige Fragen beantworten. Sehr ulkig sind dabei die Antworten der Kleinen. Auf ‘Was ist heute für ein Tag?’ kann gut ein ‘Winter’, ‘März’ oder ‘Sonntag’ kommen und bei den Monaten tippen sie auch gerne mal ein halbes Jahr daneben.

Nach der meist hektischen Versammlung folgt der Rest des sehr strikten Tagesablaufs: in wechselnder Abfolge Mathematik-, Musik-, Sport- und Zeichenstunden, Spazieren im Hof des Kindergartens, Mittagessen, Mittagsschlaf. Dies alles wird durchbrochen von kurzen Aufenthalten im Gruppenzimmer ohne fixes Programm, während deren die Kinder machen können, was sie wollen: einige zeichnen, andere spielen etwas und manche wissen nichts mit sich selbst anzufangen und machen darum Radau. Alle Ernsthaftigkeit und Strenge nützt nichts, wenn diese Rasselbande in Fahrt kommt. Sei einfacher gewesen früher, meinen meine Arbeitskolleginnen, mit ruhigeren, folgsameren Kindern.

Am Rande dieses Geschehens nun bewege ich mich mit Akim. Wann immer möglich und von den Erzieherinnen zugelassen, versuche ich mit Akim das Tagesprogramm mitzumachen. Eine längere, wirklich konzentrierte Beschäftigung ist mit ihm aber in der Gruppe meist unmöglich, da seine Aufmerksamkeit zu leicht abgelenkt wird, er zu gut andere ignorieren kann und Lärm und Hektik generell nicht mag. Für die Lehrerinnen selbst ist es aufgrund der grossen Anzahl Kinder unmöglich, Akim die Aufmerksamkeit zu schenken, die er benötigen würde – schliesslich sind die anderen Kinder auch nicht alle brave Schäfchen.

So verbringen wir die meiste Zeit beim Spielen, d.h. Akim spielt, meist mit einem Spielzeugauto, mit welchem er durch den Raum oder den Hof flitzt, und ich schaue, dass er dabei nichts Dummes anstellt. Aktiv mit jemand anderem spielt er nicht und lässt er sich bisher auch nicht zu neuen Spielen anregen. Darum und wohl auch, da er nicht spricht und meist ziemlich wirr vor sich hin plappert oder singt haben sich bisher auch noch keine Freundschaften mit anderen Kindern gebildet. Diese akzeptieren ihn zwar grösstenteils, versuchen aber nur selten, ihn in ihre Spiele einzubeziehen.

Bei mitterweile schönem Frühlingswetter spielen wir nun meist den ganzen Morgen im Hof, wobei hier ‘spielen’ für Akim mit ‘rumrennen’ gleichzusetzen ist. Beschäftigen sonst alle Kinder der vier Gruppen in ihrem Viertel des Hofes, flitzt Akim wie ein Wilder von einer Seite zur anderen und versucht, auf alle möglichen verbotenen Objekte (Feuertreppen und ähnliches) zu klettern. Das Wort ‘verboten’ zu verstehen üben wir noch. Verbiete ich ihm etwas (kommt im Fünfminutentakt vor), kreischt er, hüpft rum, lässt sich auf den Boden fallen und versucht abzuhauen und es erneut zu probieren. Zwischendurch setze ich ihn an einen Sandkasten und manchmal beschäftigt er sich dort für einige Minuten.

Gut an den Aufenhalten im Hof ist, dass Akim dort nicht mehr dauernd durch seine Zahlenfixierung abgelenkt wird. In Gruppenraum hat er oft im mehrmals pro Stunde machanisch alle (nummerierten) Handtücher der Kinder durchgezählt, wobei er nicht über zehn zählen kann und 15 zu eins-fünf (32 zu zwei-drei; die kleinere Zahl zuerst) wird. Stoppe ich ihn dabei, tobt er rum, bis ich ihn zuende zählen lasse. Auch Ziffern an den Wänden oder Uhren zählt er sehr oft mechanisch durch, wozu er auch oft anderen Beschäftigung abbricht und nicht mehr wieder aufnimmt.

Am meisten profitiert Akim vermutlich von den Sitzungen mit der Psychologin, welche sich mit grosser Ausdauer neue Ausgaben für ihn ausdenkt, welche er an weniger guten Tagen einfach in Schreien und Toben untergehen lässt, an guten Tagen manchmal widerwillig mitmacht. Auch eine Logopädin beschäftig sich von Zeit zu Zeit mit Akim; im Moment versucht sie ihm beizubringen, einem anzuschauen, wenn man mit ihm spricht. Daran arbeite ich auch schon eine Weile.

Die letzten drei Monate haben zwar aus Akim noch keinen Musterschüler und aus mir noch keinen Pädagogen gemacht; ich glaube aber, wir profitieren beide von unseren gemeinsamen Morgen und zwischendurch macht uns das ganze trotz der Rennerei und Verbieterei auch mal richtig Spass. Und dass das einzige Wort, welches Akim neben Zahlen regelmässig sagt, ‘Sascha’ ist, deute ich auch nicht als allzu schlechtes Zeichen.

Anmerkung: aufgrund meines mangelhaften Wissens und meiner verschwommenen Erinnerungen konnte ich leider keine Vergleiche mit Kindergärten in der Schweiz und den dortigen Gepflogenheiten bezüglich der Integration von Behinderten ziehen kann. Gerne nehme ich jedoch Eure Erfahrungsberichte oder Anregungen für den Umgang mit Akim als Kommentare oder per Mail an ale(at)sirruf.net entgegen.

Die Sache mit den Röhren

Es gibt noch mehr davon... Zusammen mit Sander wohne ich in Samara in einer zentral gelegenen, alten Einzimmerwohnung im scheinbar (grundflächenmässig gesehen) grössten Wohnhaus der Stadt. Der neunstöckige Wohnblock aus der Breschnev Zeit – man teilt hier die Gebäude nach Präsidenten und deren Wohnungsbau-Programmen ein – erstreckt sich gewunden über mehr als 300 Meter Länge bis fast zur Volga-Uferpromenade. Die einzelnen Wohnungen des Hauses befinden sich in Privatbesitz, die Verwaltung übernimmt eine Bewohnerversammlung und ein durch diese bestimmtes Gremiun.

Im Prinzip lebt es sich in diesem Haus ganz bequem, auch wenn die Installationen ihre beste Zeit hinter sich haben. Die Probleme, die wir in der Wohnung hatten, konzentrierten sich denn auch auf Bad und Küche. Im Winter stieg eine zeitlang im Wochenrhythmus der Gasherd, die Toilette oder die Wasserleitungen aus.

Irgendwann im Januar klopfte es dann an der Tür, der Besucher stellte sich als Schenja (Kosename von Evgeni), Nachbar aus der einen Stock tiefer liegenden Wohnung vor. Er erklärte, er renoviere gerade seine Wohnung und erneuere dabei auch einige Wasserleitungen in seinem Bad. Aus diese Grund möchte er in unserer Wohnung im Bad irgendwas nachschauen und etwas Kleines ändern. Genau verstand ich das ganze nicht, dafür fehlte in meinem knappen Russisch der Handwerkerwortschatz.

Ich erkärte Schenja also, die Wohnung gehöre nicht uns und er müsse das ganze mit dem Besitzer besprechen, worauf er meinte, dieser habe die Zustimmung gegeben und die Handwerker für den darauffolgenden Sonntag ankündigte.

An diesem Sonntagmorgen entwickelte sich dann aus dem ‘etwas Kleines ändern’ eine zweitägige Umbauorgie: Löcher wurden gebohrt, Rohre zersägt, neue eingesetzt. Resultat: alle alten Wasserleitungen (Breschnev-Metall) waren einige Dezimeter über dem Boden durchtrennt und durch ein Übergangsstück aus Messing mit Schenjas neuen Plastikrohren verbunden. Nicht besonders schön aber alles funktionierte wie zuvor.

Einige Wochen später – es war Mitte März – ein kurzer Besuch des Wohungsbesitzers, weil der Gasherd wieder mal nicht funktionierte und sich der Wasserhahn im Bad nicht mehr zudrehen liess. Am nächsten Tag dann aufgeregte Anrufe unserer Freiwilligenorganisation Swallows und ein Treffen am selben Nachmittag mit der Organisation und dem Wohnungsbesitzer. Grund: wir hätten ohne Erlaubnis des Besitzers Veränderungen an der Wohung vorgenommen und dieser wolle Swallows nun deswegen vor Gericht zerren. Swallows verlegte sich auf den Standpunkt, Sander und ich wären schuld an der Sache, wir hätten schliesslich die Tür geöffnet und müssten entsprechend die Kosten übernehmen. Natürlich erklärten wir dem Besitzer den Ablauf des ‘Umbaus’ und baten ihn theatralisch um Verzeihung – vergeblich. Er meinte er hätte nun ein riesen Problem am Hals, diese neuen Röhren seien gefährlich, könnten jederzeit explodieren und er wäre dann haftbar, wenn die darunterliegende Wohnung geflutet würde. Das Argument, Schenja wohne ja gerade in dieser Wohnung und würde sich sicher nicht einer solchen Gefahr aussetzen, liess er nicht gelten.

In den nächsten Tag entwickelte er dann eine unheimliche Geschäftigkeit: wir erhielten nach einem halben Jahr endlich einen zweiten Hausschlüssel, der Gasherd und die Wasserleitung wurden in Ordnung gebracht und der Zustand der Wohnung dokumentiert. Schriftlich festgehalten wurden zwei an sechs Stellen veränderte Wasserrohre und zwei zerstörte Stühle. Tatsächlich befinden sich in einem Wandschrank nochmals drei durchsägte Rohre und die beiden Stühle haben wir – wie fünf der sechs anderen auch – im Müll gefunden. Kurz: der Vermieter ist nicht besonders gut über seine eigene Wohnung informiert.

Da eine mit uns bekannte Anwältin meinte, die Angelegenheit werde für uns nicht zum Problem werden, unternahmen wir selbst keine weiteren Schritte und auch von Seiten des Besitzers hörten wir nichts. Den Übeltäter Schenja wollte niemand kontaktieren, eine Verhandlungslösung schien nicht zu interessieren.

Ende April dann wieder einmal ein Klopfen an der Tür, Schenja erkundigte sich nach der Angelegenheit. Nach meiner Erklärung meinte er, der Besitzer sei ‘prosta idiot’, einfach ein Idiot, und die Sache müsse vor Gericht geklärt werden. Für uns würde daraus aber bestimmt kein Problem erwachsen. Gleichentags kam auch der Besitzer mit einer kleinen Delegation zu Besuch, alles (ausser die Rohre im Wandschrank) wurde dokumentiert und für eine Versammlung der Wohnungsbesitzer festgehalten – nur der Techniker spielte nicht mit und meinte nur ‘bcjo normalna’ (alles in ok) zu den Veränderungen. Keine Neuigkeiten seither.