Unterwegs zu Fuss

 

Name Peschkom (zu Fuss)
Typen viele
Design Weibliche oft mit Highheels und gemusterten Kunstleder-Mänteln, männliche mit Fellmützen und Ecko-Jacken.
Geschwindigkeit Zu langsam. Die Stadt ist viel zu gross dafür.
Kapazität -
Komfort Mittel. Es gibt meist relativ grosszügige Gehsteige und Strassen können mit einer gewissen Übung und Abgebrühtheit einigermassen sicher überquert werden. Regnet es oder taut der Schnee, sind die Strassen jedoch voll von grossen, braunen Wasserlachen oder Schneematsch – es gibt keine Abflüsse in die Kanalisation, weshalb das Wasser einfach stehen bleibt. Nachts ist es aufgrund fehlender Strassenbeleuchtung überall ziemlich düster, was durch die Pfützen stapfen etwas zu einem Spiessrutenlauf macht. Auch den Sicherheitsaspekt – vor allem für Frauen scheint Samara bei Nacht nicht gerade einladend – darf man nicht vergessen.
‘Fahrer’ sind öfter als zuhause besoffen.
Halt! Jederzeit.
Preis gratis – abgesehen von Steuern (17% vom Lohn), welche wohl auch zum Teil in die Instandsetzung der Strassen gehen und einem Zwang zu teurer Garderobe.
Misc Da Gehsteige nicht von Schnee und Eis befreit werden, im Moment etwas heikel.

Unterwegs im Bus

 

Name Bus
Fahrzeugtypen viele verschiedene von uralt bis modern; Stadtzentrumslinien verfügen oft über überlange Gelenksbusse.
Design Aussen meist weiss, selten mit Logo eines Transportunternehmns. Innendesign je nach Geschmack des Betreibers schlicht sauber bis gediegen gemustert. In privaten Bussen werden gerne die Scheiben mit Vorhängen oder Tüchern verdeckt – warum bleibt mir ein Rätsel.
Geschwindigkeit Meist sehr langsam, vor allem im Stossverkehr
Kapazität ca. 50 Personen
Komfort Mittel. Meist kann man sitzen und aus grossen Fenstern gemütlich rausschauen. Die Busse sind meist relativ angenehm geheizt.
Halt! Hält an allen Haltestellen, sobald man zur Tür geht oder bezahlt hat
Fahrer sind immer Männer
Preis 8 bis 9 Rubel
Bezahlt wird entweder bei der Ticketverkäuferin oder direkt beim Fahrer kurz vor dem Aussteigen
Misc Es gibt öffentliche und private Busse für die gleichen Buslinien. Die Preise sind meist die selben, jedoch können für die öffentlichen Busse Abos gekauft werden. Nicht alle Busse einer Linie verlangen die gleichen Ticketpreise. Die öffentliche Busse haben immer eine Ticketverkäuferin, private meist nicht.

Unterwegs in der Marschrutka

In den nächsten Beiträgen werde ich die öffentlichen Verkehrsmittel Samaras vorstellen. Die ÖVs haben Transportmässig (Überraschung!) eine Schlüsselfunktion für mich, zeigen aber auch schön, wie sich mein Russisch und mein Verhältnis zur neuen Umgebung weiterentwickelt hat. Verstand ich in den ersten Tagen von den Durchsagen im Tram kein einziges Wort und war während der Fahrt nahe an Dauerpanik – ‘bin ich im richtigen Tram?’; ‘nein, jetzt bin ich sicher falsch!’; ‘ok, jetzt bin ich totsicher falsch, aber ist ja auch egal…’; ‘oh, ist das nicht DOCH meine Station?’ -, fühle ich mitterweile ziemlich wohl, benutze locker 15 verschiedene Linien sicher und auch mit einer gewissen Entdeckungsfreude. ‘Nummer 625? Hab ich hier noch nie gesehen! Aber schaun wir trotzdem mal rein.’ Schnell die Haltestellen auf der Seite lesen oder die Tür öffnen und die Insassen fragen und rausfinden, ob man einsteigen kann. Hopp!

 

Name Marschrutka (Minibus)
Fahrzeugtypen einer. Ein Minibus des Typs GAZel
Design Ein schnörkelloser Minibus ohne Schnickschnack. Leicht abgerundete Fromen. Meist gelb, manchmal weiss, selten schwarz. Zum Teil mit Werbeaufdruck. Manche Marschrutkas tragen auf den Dach eine Leuchtanzeige, welche die Linien-Nummer und einige Haltestellen anzeigt.
Geschwindigkeit Je nach Verkehrsaufkommen meist recht flott. Immer um einiges schneller als Busse.
Kapazität 13 Personen
Komfort Niedrig. Die Scheiben der Marschrutkas sind oft abgeklebt, weshalb man nicht rausschauen kann. Die Platzverhältnisse sind eingeengt, die Tür niedrig, ebenso die Fenster. Dank 1.96m Körpergrösse sehe ich so nur die Strasse und nicht die Umgebung. Ein- und Aussteigen bedeutet Durchzwängen. Ist die Marschrutka nicht voll, wird man ziemlich durchgeschüttelt.
Fahrer sind immer Männer.
Halt! Hält an allen Haltestellen, wenn man dies dem Fahrer vorher ankündigt. ‘Na astanovkje paschaluista’ (an der Haltestelle bitte) oder ‘na sledujuschej astanavitje’ (bei der nächsten halten sie) kann dies zum Beispiel heissen. Marschrutkas und Busse fahren die gleichen Haltestellen an. Auf einer bestimmten Linie können sowohl Busse, als auch Marschrutkas verkehren, d.h. es gibt z.B. sowohl ’23er’ Busse, als auch Marschrutkas, vermutlich aber insgesamt viel mehr Marschrutkalinien als Buslinien.
Preis 7 bis 15 Rubel. Meist 10 Rubel.
Bezahlt wird beim Fahrer nach dem Einsteigen. Sitzt man gleich hinter dem Fahrer, reicht man ihm das Geld über den Sitz nach vorne – ‘vasmitje! (nehmen sie!). Der Fahrer greift sich dieses zwischen Steuern, Gangschalten und am Radio Rumfummeln geschickt und gibt auch im grössten Stossverkehr gelassen das Wechselgeld (und selten Tickets) mit einer Hand zurück. Sitzt man in der Marschrutka weiter hinten, gibt man das Geld einfach an vorne sitzende Passagiere weiter – ‘peredaitje!’ (geben sie weiter!). Die Sitze direkt hinter dem Fahrer sind bei Russen unbeliebt, weil einem alle anderen Passagiere anschauen (können) und man dauernd Geld zwischen Passagieren und Fahrer hin und her reichen muss.
Misc Marschrutkas sind ein relativ neues Transportmittel. Sie wurden erst vor etwa fünf Jahren eingeführt, um die chronisch überlasteten öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem die Busse, zu entlasten. Wenn man sieht, wie vollgestopft beliebte Buslininen in der Stosszeit heute noch sind, kann man sich nur schwer vorstellen, wie das ganze ohne die nun operierenden hunderten von Minibussen aussah. Auch jetzt noch wartet man gerne mal eine halbe Stunde auf eine Marschrutka mit einem freien Platz.
Marschrutkafahrer arbeiten meist auf eigene Kasse, d.h. das eingenommene Geld ist gleichzeitig ihr Lohn. Manche besitzen ein eigenes Fahrzeug, andere mieten dieses von seinem Besitzer. Das gleiche gilt für viele der privaten Busse.
Auch wenn die Leute in Marschrutkas meist verschlossen abwesend dasitzen, löst eine Frage nach der nächsten Station oder dem richtigen Weg oft eine kurze, lebhafte Diskussion unter den Passagieren aus. Das bisher beste Marschrutka-Erlebnis: Als ich einmal ein paar Rubel beim Weiterreichen an den Fahrer zwischen den Sitzen verlor und diese (natürlich – war schliesslich meine Schussligkeit) selbst ersetzte, dankten mir die Leute dies mit zwei Äpfeln.

Eine Woche im Frost

Waren wir dem russischen Winter auch schon einige Zeit ausgesetzt (siehe: erster Schnee) und schon einige Male mit eher unerfreulichen Temperaturen konfrontiert (zum Beispiel bei unserem Ausflug nach Ufa), so liess doch der angekündigte Höhepunkt lange Zeit auf sich warten. Letzte Woche jedoch – einem Zyklon sei Dank, welcher uns einen ersten Kälteschub bescherte – endlich die viel gehörten minus 35 Grad! Von angenehm milden minus fünf Grad am vorletzten Samstag fiel das Thermometer in zwei Tagen auf unter minus 30. Steht man minus 15 problemlos mit Handschuhen und Mütze durch und minus 25 mit einem zweiten Paar Hosen, drei Paar Socken, zwei Pullovern und einem Schal, scheint unter minus 30 nichts mehr so wirklich zu nützen. Diese Kälte war in den ersten paar Minuten überraschend und interessant (so im Stil von: ‘huch, das ist es jetzt also?’), danach aber nur noch giftig, beissend, gemein, schmerzhaft, lähmend. Auch für die Russen. Ging man abends um sechs aus dem Haus, hatte man das Gefühl, es müsse weit nach Mitternacht sein: dunkel, kein Mensch auf der Strasse, keine Autos, Totenstille. Unter den wenigen Passanten kam ein ganz neues Solidaritäsgefühl auf: man warnte sich gegenseitig, wenn Nasenspitzen zu weiss und kurz vor dem abfrieren waren oder hielt sich mit kurzen Boxkämpfen warm. Nach acht Uhr abends war die Stadt dann vollkommen ausgestorben. Keine Busse, keine Marschrutkas, nur noch einige Taxis, welche wohl das Geschäft des Jahres machten. Swallows gab denn auch allen Freiwilligen für ein Woche Kältefrei, d.h. eine Woche in der warmen Küche sitzen und Tee trinken.

Warme Küche? Hatte ich mich an verschiedenen Stellen über die überheizten russischen Wohnungen beklagt, zeigten sich bei diesen Temperaturen die Qualitätsunterschiede der Wohnungen ein erstes Mal sehr direkt. Blieb Charlottes Wohnung auch bei leicht geöffnetem Fenster noch über 25 Grad warm, fiel die Temperatur in der Wohnung von Sander und mir unangenehm ab – trotz mit Klebeband zugeklebten Fenstern. Der Gasherd oder offenen Backofen mussten zwischendurch nachhelfen. Bei anderen, z.B. Nadine in Toljatti, gefroren sogar die Bierflaschen in der Küche.

Mitte der Woche dann der Höhepunkt des Kälteschubs: ein christliches Taufritual. Dabei wird ein Loch in die Eisdecke der Volga geschnitten, das Wasser von einem Priester gesegnet und nach Mitternacht des 19. Januar ein Bad im eisigen Wasser genommen: sich die Kleider vom Leib reissen, Zähne zusammen beissen, ins Wasser steigen, drei Mal untertauchen und zurück zum Betreuerteam, welches einem mit klammen Fingern möglichst rasch anzukleiden versucht – gar nicht so einfach, einen Hosenknopf zu zuknöpfen, wenn einem nach 30 Sekunden ohne Handschuhe die Finger abzusterben drohen. Soll aber sehr gesund sein, dieses Abenteuer.

Gegen Ende der Woche hatten wir dann wieder angenehme minus 20 Grad – kommt einem richtig frühlingshaft vor!

Alexanders Projekt


Name Alexander Burkardt

Aus Schweiz

Alter 30

Projekt Alliance Francaise (AF) de Samara und Swallows/ICYE Russland

Projektziel AF ist ein Zentrum für französische Sprache und Kultur, Swallows die lokale Freiwilligenorganisation, welche unsere Aufenthalte hier organisiert hat.

Projekt Mitarbeiter Rund zehn Leute, einige davon Sprachlehrer

Meine Arbeit Ich schreibe Texte, mache Fotos von Anlässen, helfe ein bisschen im Büro, arbeite für die Swallows Webseite und layoute Broschüren und Newsletter.

Was gefällt dir an deiner Arbeit Der Kontakt mit anderen Freiwilligen.

Was misfällt dir Die Atmosphäre im Büro ist grässlich und pendelt auf schizophrene Weise zwischen Lethargie und Hektik.

Probleme Viel zu wenig Arbeit.

Bestes Erlebnis im Projekt Die Projekte der anderen Freiwilligen zu besuchen.

Wie viel Zeit verbringst du im Projekt Rund 20 Stunden pro Woche.

Was machst du in deiner Freizeit Russisch lernen, an meinem Blog arbeiten, Akkordeon spielen, Leute treffen.

Projektart ICYE, d.h. selbstfinanziert (5500 Euro Beitrag an ICYE Schweiz). Swallows erhält von ICYE Schweiz 2850 Euro für das ganze Jahr. Alexander erhält von Swallows 372 Euro (31 E/Mt.) Taschengeld, 618 Euro (51 E/Mt.) für Essen und Transport und rund 1200 Euro für Logie. Restbetrag für Swallows: rund 700 Euro. Restbetrag für ICYE Schweiz: 2650 Euro. Damit wurde der Flug bezahlt und Freiwillige, welche aus anderen Ländern in die Scheiz kommen unterstützt.