Reisen


Der Baikalsee ist der grösste, tiefste und älteste See der Erde. Er liegt in einer hügeligen Landschaft zwischen den Städten Irkutsk (mit grösstenteils russischen Einwohnern) und Ulan-Ude (grösstenteils burjatisch). Innerhalb des Baikalsees befinden sich 22 grössere Inseln, die grösste davon ist Olchon, nahe des Westufers. Olchon ist teils durch trockene Steppe, teils durch recht karge Lärchenwälder geprägt und recht gebirgig mit bis 1276 m hohen Bergen (das ist für hoch für Sibirien). Die Insel wird hauptsächlich von Buryaten, einem mongolischstämmigen Volk bewohnt. Der grösste Ort, in welchem etwa 90% der rund 1200 Inselbewohner leben, heisst Chuschir. Etwa 20km von Chuschir entfernt gab es bis kurz nach Stalins Tod ein Gulag, dessen hauptsächlich baltische Insassen Verpackungen für die Fischkonserven-Fabrik Chuschirs produzierten.

Krasnojarsk ist die drittgrösste Stadt Sibiriens (rund eine Million Einwohner) und liegt ein einer hügeligen Landschaft am Fluss Jenissei. Die grüne Umgebung und die recht gut erhaltene Innenstadt mit beeindruckenden Holzhäusern und Bauten aus der Jahrhundertwende, auffallend vielen kleinen Parks und Sitzbänken verklären etwas die Bedeutung Krasnojarsks als wichtiges Industriezentrum: Maschinenbau, Metallverarbeitung, Chemie und Bergbau sind die hauptsächlichen Branchen.

In der Stadt liegt das zweitgrösste Aluminiumwerk der Welt. Da Aluminiumproduktion enorm viel Energie verbraucht, wurde 1967 30 km westlich von Krasnojarsk ein riesiger Stausee in Betrieb genommen. Laut Aussagen von Ortsansässigen hatte der Stausee - wenig überraschend - auch starke Einflüsse auf die Natur und das lokale Klima. Wegen der höheren Luftfeuchtigkeit zum Beispiel seien die Winter viel kälter geworden und das kalte Abfluss-Wasser des Stausees mit einer Sommertemperatur von etwa acht Grad veränderte die Fischpopulation des Jenissejs nachhaltig.

Am Stadtrand von Krasnojarsk liegt das Naturschutzgebiet “Stolbi” (russisch für “Säulen”), wo es verschiedene, sehr malerische Felsformationen zu sehen gibt. Das Gebiet ist einfach zu Fuss oder per Auto zu erreichen und ein beliebter Picknick- und Ausflugsort.

Jekaterinburg, die viertgrösste Stadt Russlands, liegt am östlichen Rande des Urals, d.h. im asiatischen Teil Russlands und ist eines der wichtigsten Handelszentren des Landes. Von 1924 bis 1991 (und für die russische Bahn bis heute) hiess die Stadt Sverdlovsk. Jekaterinburg präsentiert sich heute sauber und geschäftig, wenn auch mit einem unruhigen, architektonisch merkwürdig durchmischten Städtebild: Holzhäuser neben Sovjet-Blocks neben Neunziger-Glasbauten. Etwas enttäuschend der nahe Ural, den ich mir als einen mächtigen Riegel von 5000ern vorstellte, welchen man aber bei der Durchfahrt vom Zug aus nicht mal als Hügelkette wahrnimmt. Keine Tunnels, keine Brücken, keine Schluchten, keine Berghänge, nur leicht geschwungene, lückig bewaldete Landschaft.


Meinen Auflug nach Moskau lässt sich am einfachsten mit zwei Ausrufen zusammenfassen. Dem ‘Wow, was ist denn DAS?’ in Moskau und dem ‘Huch, wo bin ich den HIER gelandet?’ zurück in Samara.

Mit seiner wohl Historiker wie Futuristen gleichermassen beeindruckenden Pompösität, seinen Spinnereien, seiner geballten Urbanität und nicht zuletzt seiner auffallenden Sauberkeit kickte die Hauptstadt Samara wahrnehmungsmässig auf fast etwas schmerzhaft offensichtliche Weise weit in die Provinz. Einen solch riesigen Unterschied hätte ich nicht erwartet.

Ich vermute jedoch, dass die Metropole Moskau für Besucher ohne Russischkenntnisse und mit eher knapper Reisekasse weniger beeindruckend und weit schwieriger zu erfahren ist, als vergleichbare westliche Destinationen. Einerseits erwartet man von einer Metropole automatisch Originalität, Grösse und Erhabenheit, andererseits aber auch eine gewisse Internationalität, am liebsten natürlich eine in Richtung Westen orientierte, welche einem hilft, sich zurecht zu finden und im Fremden Punkte der Orientierung und Ruhe liefert. In Moskau begeisterte und überraschte mich das erstere nach dem ‘Umweg Samara’ weit mehr, als mich das oftmalige Fehlen des letzteren störte. An rein russischsprachige öffentliche Einrichtungen und Schikane durch unmotivierte Beamte hatte ich mich schon lange gewöhnt. Für westliche Touristen dürfte es vermutlich umgekehrt sein. Klar, Moskau bietet sehr viel, dies aber oft eher exklusiv. Abgesehen von Sprachhürden sind viele Angebote finanziell eher abschreckend. Die scheinbar in jedem Viertel in Zentrumsnähe dominierenden Luxusangebote (Restaurants, Geschäfte, Gallerien usw.) sind für Durchschnittsbürger unerreichbar teuer, auch für westliche.

Was bleibt, sind hunderte historisch oder literarisch verankerter Ecken (die Wohnung von Breschnev oder der Patriarchenteich aus ‘Master und Margarita’ zum Beispiel), eine äusserst beeindruckende, gut erhaltenen oder frisch restaurierte Bausubstanz und eine sehr urbane Maske, hinter welcher man, gehörte man zu den Eingeweihten, sicher noch viel mehr Wildes und Faszinierendes entdecken könnte.


Nishnij Nowgorod ist die viertgrösste russische Stadt (1.5 Mio Einwohner) und liegt rund 600km (18 Zugstunden) nordwestlich Samaras an der Einmündung des Flusses Oka in die Volga. In der Sowjetzeit wurde Nishnij wie viele andere Städte umbenannt (Samara hiess damals z.B. Kubishev) und hiess so von 1932 bis 1991 Gorkij, zu Ehren des Schriftstellers Maxim Gorki. Auch heute noch findet man die Stadt im Zugfahrplan unter diesem Namen und nicht unter dem 1991 wieder eingeführten Nishnij Novgorod – das bedeutet übrigens einfach ‘untere neue Stadt’.

Im Russischen Reich hatte sich Nishnji im 19. Jahrhundert als wichtigste Messe- und Handelstadt etabliert, wovon heute noch ein beeindruckendes Messegebäude in der Nähe des Moskauer Bauhnhofs zeugt. Im Zuge des Industrialisierung entwickelten sich weitere Wirtschaftszweige und die Stadt wurde zu Beginn des 20.Jahrhunderts auch eines der wichtigsten Industriezentren des Landes.

Wie Samara auch war Nishnij seit den 1930er Jahren eine ‘geschlossenen Stadt’, die von Ausländern nicht besucht werden durfte. Grund dafür waren die lokalen Rüstungsbetriebe, in denen unter anderem Atom-U-Boote, Kampfflugzeuge (etwa die MiG-29 oder die MiG-31) und Panzer produziert wurden (Samara: Flugzeug- und Raumfahrt-Industrie). 1992 wurde dieser spezielle Status aufgehoben.

Heute ist Nishnij eine geschäftige, saubere Handels- und Industriestadt, in welcher man sich weit weniger als in Samara in der Provinz fühlt. Vieles scheint ein wenig europäischer: die Kleidung der Leute (weniger Adidas, weniger High Heels), das Strassenbild (weniger Werbung und schriller Kommerz) und Stadtplanung (Einkauscenter im Stadtkern, Fussgängerzonen). Die grössten Arbeitgeber der Stadt sind der Automobilhersteller ‘GAZ’, Hersteller u.a. der Limousine ‘Volga’ und der Minibusse ‘GAZel’ und die Werft ‘Krasnoje Sormowo’, die unter anderem U-Boote der Kilo-Klasse baut.

Zentrum der auf einem Hügel gelegenen Altstadt ist der mächtige Kreml (das bedeutet Stadtfestung) aus rotem Ziegelstein, gebaut 1508 bis 1511. Im Innern der Festungsmauern befinden sich heute vor allem (nicht besonders spannende) Verwaltungsgebäude aber auch die Kathedrale des Erzengels Michael, trotz grossem Namen eine winzige, jedoch sehr hübsche Kapelle. Auch im Rest der Stadt gibt es auffällig viele Kirchen und verschiedene Klöster. Während der Sowjetzeit waren allerdings nur vier Kirchen als solche geöffnet, die restlichen wurden als Biblitheken, Lagerräume und dergleichen genutzt.

Next Page »