Nishnij Nowgorod ist die viertgrösste russische Stadt (1.5 Mio Einwohner) und liegt rund 600km (18 Zugstunden) nordwestlich Samaras an der Einmündung des Flusses Oka in die Volga. In der Sowjetzeit wurde Nishnij wie viele andere Städte umbenannt (Samara hiess damals z.B. Kubishev) und hiess so von 1932 bis 1991 Gorkij, zu Ehren des Schriftstellers Maxim Gorki. Auch heute noch findet man die Stadt im Zugfahrplan unter diesem Namen und nicht unter dem 1991 wieder eingeführten Nishnij Novgorod – das bedeutet übrigens einfach ‘untere neue Stadt’.

Im Russischen Reich hatte sich Nishnji im 19. Jahrhundert als wichtigste Messe- und Handelstadt etabliert, wovon heute noch ein beeindruckendes Messegebäude in der Nähe des Moskauer Bauhnhofs zeugt. Im Zuge des Industrialisierung entwickelten sich weitere Wirtschaftszweige und die Stadt wurde zu Beginn des 20.Jahrhunderts auch eines der wichtigsten Industriezentren des Landes.

Wie Samara auch war Nishnij seit den 1930er Jahren eine ‘geschlossenen Stadt’, die von Ausländern nicht besucht werden durfte. Grund dafür waren die lokalen Rüstungsbetriebe, in denen unter anderem Atom-U-Boote, Kampfflugzeuge (etwa die MiG-29 oder die MiG-31) und Panzer produziert wurden (Samara: Flugzeug- und Raumfahrt-Industrie). 1992 wurde dieser spezielle Status aufgehoben.

Heute ist Nishnij eine geschäftige, saubere Handels- und Industriestadt, in welcher man sich weit weniger als in Samara in der Provinz fühlt. Vieles scheint ein wenig europäischer: die Kleidung der Leute (weniger Adidas, weniger High Heels), das Strassenbild (weniger Werbung und schriller Kommerz) und Stadtplanung (Einkauscenter im Stadtkern, Fussgängerzonen). Die grössten Arbeitgeber der Stadt sind der Automobilhersteller ‘GAZ’, Hersteller u.a. der Limousine ‘Volga’ und der Minibusse ‘GAZel’ und die Werft ‘Krasnoje Sormowo’, die unter anderem U-Boote der Kilo-Klasse baut.

Zentrum der auf einem Hügel gelegenen Altstadt ist der mächtige Kreml (das bedeutet Stadtfestung) aus rotem Ziegelstein, gebaut 1508 bis 1511. Im Innern der Festungsmauern befinden sich heute vor allem (nicht besonders spannende) Verwaltungsgebäude aber auch die Kathedrale des Erzengels Michael, trotz grossem Namen eine winzige, jedoch sehr hübsche Kapelle. Auch im Rest der Stadt gibt es auffällig viele Kirchen und verschiedene Klöster. Während der Sowjetzeit waren allerdings nur vier Kirchen als solche geöffnet, die restlichen wurden als Biblitheken, Lagerräume und dergleichen genutzt.