Anstelle von sieben Monate in Samara (das hab ich gestern gefeiert) und aufgrund der traurigen Tatsache, dass der Halbjahresreport auf meinem alten PC stecken geblieben ist, hier ein kleiner Zwischenbericht zum Thema ‘warum man einen Computer nicht mit der Post nach Russland schicken sollte’.
Wer ein Weblog fuehrt und Kontakt zur Aussenwelt bewahren moechte, der braucht einen Computer, klar. Darum haben wir nach der Milch-Havarie einmal tief durchgeatmet, aus allen Sparbuechsen, alten Winterjacken und Handtaschen das Kleingeld zusammengekramt und einen neuen PC gekauft. In der Schweiz. Das Ding wurde Ende Maerz dem Kurierdienst TNT uebergeben, welcher das Paket (Nummer 184383097; wer den Trackingservice ausprobieren moechte) innerhalb von 36 Stunden nach Moskau befoerderte.
Tag 1: Am 31. Maerz schaltete der Status dann aber auf “Sendung Befindet Sich Im Zoll” und es passierte erst mal gar nichts mehr.
Tag 4: Am Montag darauf erhielt ich waehrend einem Spaziergang an der Volga einen Anruf von einer Person, welche nur Russisch sprach. Leider verstand ich nur, dass es um mein Paket ging, dann brach die Verbindung ab. Rueckruf nicht moeglich da Nummer unbekannt. Einen zweiten Anruf gab es nicht.
Tag 5: Am Dienstag rief ich die Hotline des russischen Zolls an und versuchte auf Russisch, das Problem zu eroertern. Man verwies mich an eine Nummer in Samara und nannte mir auch eine lokale Adresse. Leider nahm dort nie jemand das Telefon ab, weshalb ich fast hingefahren waere. Fast, da Elena von Swallows gleichzeitig ein gutes Dutzend Telefonate fuehrte und es schaffte, sich soweit durchzufragen, dass wir die Nummer einer Zustaendigen (Tatjana Chita) erhielten. Zur gleichen Zeit machte der Sender des Paketes, mein Bruder Philipp, bei TNT Schweiz Druck, was ebenfalls die Nummer dieser Tatjana leiferte. Leider liess sich diese nicht erreichen.
Tag 7: Zwischenzeitlich lieferte TNT Schweiz als Problemgrund, man koennte mich zur Klaerung einiger Details nicht erreichen. Diese Erkenntnis erreichte mich allerdings erfolgreich auf meinem Mobiltelefon.
Tag 9: Erneute Anrufe beim Zoll ergaben am Freitag darauf (das war schon der 8. April) ein Versprechen, dass Tatjana, welche nur Russisch spricht, der Einfachheit halber Elena anrufen wuerde. Dies tat sie auch, leider brach das Gespraech aber nach Sekunden ab und ein Rueckruf war erneut erfolglos. Ein weiterer Anruf lieferte die Erkenntnis, dass Tatjana krank geworden sei (innerhalb von 3 Stunden) und nun eine Assja die Sendung bearbeite. Assja wuerde anrufen. Tat sie aber nicht.
Tag 12: Ein Telefonat mit dem Zoll am 11. April lieferte das Versprechen, dass Assja wirklich zurueckrufen wuerde. Tat sie aber nicht.
Tag 14: Am 13. April dann die Meldung aus der Schweiz: es gaebe eine neue Zuestaendige beim Zoll. Name: Elena Trushkina. Das ist Elena von Swallows. Ich rief also langsam leicht entnervt erneut den Zoll an und gab nochmals eine Reihe von Telefonnummern durch… UND SIE RIEFEN AN.
Resultat: der Zoll hat mich als Mitglied einer Firma identifiziert, was fuer die Auslieferung des Pakets neben der Zahlung von Zoll und Mehrwertsteuer neun offizielle Dokumente noetig machen wuerde. Dieser Irrtum wurde schnell telefonisch geklaert, was aber natuerlich zu wenig verbindlich war. Der Zoll faxte also die dem Paket beigelegte formale Handelsrechnung, welche in Deutsch, Franzoesisch und Englisch Sender, Empfaenger und Inhalt der Sendung auflistete. Dieses Papier musste auf Russisch uebersetzt werden, d.h. Elena uebersetzte Dinge wie Sender, Receiver oder Telephone Number auf Russisch und dazu auch noch das ganze juristische Kleingedruckte. Dann zurueck zum Zoll mit den Dokumenten. Was wir zudem erfuhren: der Zoll wird mir fuer jeden Tag, waehrend dessen das Paket in seinen Handen liegt, eine Strafgebuehr in Rechnung stellen. Auch nett.
Tag 18: Bis am Dienstag passierte dann erst mal wieder nichts. Ich fuehrte ein erneutes Telefonat mit dem Zoll, beklagte mich etwas und beharrte auf beschleunigte Behandlung, was mir die Nummer des Secretary of Customs einbrachte. Diesen rief ich an, in der Meinung, er sei was in Richtung Abteilungsleiter. Nach einigem hin und her meinte er, zustaendig sei Tatjana Chita, welche in zwei Minuten anrufen wuerde. UND SIE RIEF AN.
Resultat: Elena verfasste einige neue Dokumente (Inhalt mir unbekannt), welche gefaxt und dem Zollvorsteher vorgelegt wuerden. Dieser wuerde vermutlich den Status des Paketes von geschaeftlich auf privat abaendern, was die Herausgabe des Paketes erleichterte. Allerdings, so der Zusatz, wuerde ich vermutlich fuer die erfolgreiche Herausgabe eine Registrierung in Moskau benoetigen.
Was ist eine Registrierung? In Russland muss man sich nach Ankunft im Land innerhalb von zwei Tagen bei einer Behoerde melden, welche einem fuer eine gewisse Periode (meist entsprechend dem Visum) eine offizielles Dokument, die Registrierung ausstellt, welche Wohnort und Adresse auflistet. Dieser Prozess wiederholt sich jedes Mal, wenn man laenger als zwei Naechte an einem Ort bleibt. Registrieren lassen kann man sich durch ein Hotel oder, wenn ein Wohnungs- oder Hausbesitzer fuer einen buergt. Ich bin im Moment durch den Wohnungsbesitzer meiner Wohnung in Samara registriert.
Konkret: der Zoll schlaegt vor, dass ich nach Moskau reise, mich dort in einem Hotel registrieren lassen – und dann? Unklar.
Tag 19: Aktueller Stand: “Held Customs – awaiting Clearance Instructions From Receiver”
Und der Gewinner ist….
Die TNT SwissPost mit 9 (von 10) Punkten gegen 0. Ein Punkt Abzug gibt’s für die zu kleine Schachtel die sie mir verkauft haben.
hmm… geben wir dem Russischen Zoll doch noch einen Punkt. Einen für die vielen Informationen die sie geliefert haben. Da kann man sich wirklich nicht beklagen auch wenn’s nichts gebracht hat.
Speziellen Dank geht da an Frau Hüppi von der Post. Die hat das menschenmögliche unternommen um den Vorgang zu beschleunigen. Doch gegen die Laune des Russischen Zolls ist wohl nichts und niemand gewachsen.
Hoffen wir das Happy End lässt nicht mehr lange auf sich warten.
Mein Gott!!! Ich wär schon lange Amok gelaufen! Was sind denn das für Spinner dort? Kein Wunder ist bei denen die Wirtschaft am Boden, wenn da alles so kompliziert von statten geht. Hoffen wir auf ein baldiges Ende dieser erbärmlichen Posse!