Wieder einmal hat ein ipod den Geist aufgegeben (Apple, apple, warum bloss?). Da eine bis drei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln ohne Musik nicht auszuhalten sind, musste schnellstmöglich ein Ersatz her. Anhand des Preises, der Bekanntheit der Marke und des Aussehens entschied ich mich in einem der vielen Elektrogeräte-Grossverteiler rasch für ein neues Gerät. Bei Elektro-Grossverteiler denke man an Mediamarkt, Saturn oder Interdiscount. Diese Geschäfte sind hier sehr weit verbreitet und durch intensive Plakat-, Zeitungs- und FernsehWerbung in der Öffentlichkeit stark präsent. Die Russen scheinen ihr Geld lieber in neue Fernseher, Kühlschränke und Mobiltelefone zu investieren als auf die hohe Kante zu legen – bei den Erfahrungen der letzten 20 Jahre ist dies natürlich kein Wunder. Aber zurück zum mp3-Player Kauf: ein solcher funktioniert hier nicht wie Zuhause nach dem Muster ‘aus dem Gestell nehmen, bezahlen, nach Hause gehen’. Das ist in Russland natürlich alles ein bisschen komplizierter.
Zuerst musste ich das Gerät bei einem Verkäufer anfordern, welcher es mir unbedingt detailliert vorführen wollte. Dies abgelehnt, setzten wir uns zusammen an einen Computer, wo nach aufwändigem Erfassen von Personalien und verschiedenen Pass- und Visa-Nummern schliesslich eine Rechnung ausgedruckt wurde. Diese beglich ich an einer Kasse in einem anderen Raum und durfte anschliessend an einer Art Ausgabeschalter auf mein Gerät warten. Nach Vorweisen der Quittung packte ein ‘Techniker’ das Gerät erneut aus und führte mir dieses nochmals vor. Die gleiche Kontroll-Prozedur wird natürlich auch beim Kauf jedweder anderer Geräte durchgeführt. Auch ein Mikrowellengerät, eine Waschmaschine oder ein Wasserkocher werden eingesteckt und vorgeführt, um zu beweisen, dass sie wirklich funktionstüchtig sind. Nachdem ich mich davon überzeugen konnte, dass mein zukünftiger Player auch wirklich funktionierte, notierte der Techniker alle am Gerät aufgebrachten Serien- oder Typennummern und stempelte diverse Garantiescheine und Quittungen ab, welche ich wieder unterschreiben und mit Passnummern versehen musste. Neben mir kaufte jemand gleichzeitig einen Computer, wo nach dem Testen der einzelnen Komponenten tatsächlich jedes einzelne Bauteil (DVD-Laufwerk, Festplatte, Grafikkarte usw.) notiert, registriert und verbrieft wurde. Misstrauische Kunden treffen auf misstrauische Verkäufer!
Nach rund 45 Minuten konnte schliesslich den Laden als glücklicher Besitzer eines mpio FY700 verlassen. Der Kauf eines Mobiltelefons im September dauerte etwas weniger lang, um unseren Fernseher zu erstehen brauchten wir eine gute Stunde, da sich jemand vor uns eine aufwändige Auto-Stereoanlage vorführen liess.