Mo 24 Okt 2005
Was bewog ihn wohl, sich so kalt zu bewaffnen?
Geschrieben von Alexander unter Bücher
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Yasushi Inoue – Das Jagdgewehr
Eine grosse Matrosenpfeife im Mund,
lässt er Setter-Hunde vor sich her laufen,
stapft mit hohen Stiefeln über die Eiszapfen der Erde
und steigt auf engem Pfad durch das Gestrüpp hinauf zum früh winterlichen Amagi-Berg.
An seinem Gurt trägt er 25 Schuss Jagdmunition,
seine Lederjacke ist dunkelbraun
und darüber hängt die Churchill-Doppelflinte.
Was bewog ihn wohl, sich so kalt zu bewaffnen
mit diesem schimmernden Stahlrohr, das Leben vernichtet?
Warum bewegt mein Herz so
der Rücken dieses grossen, zufällig vorüberschreitenden Jägers?
Seit diesem Tag,
auf Grossstadt-Bahnhöfen und spät in der
Nacht in Amüsierlokalen,
überfaellt mich unversehens
ach, der Wunsch, wie dieser Jäger dahinzugehen,
gemächlich, ruhig und kalt.
In solchen Augenblicken sehe ich immer,
was hinter dem Jäger sich breitet:
nicht etwa die frühwinterliche Landschaft des Amagi-Bergs,
sondern ein verödetes, weisses Flussbett.
Das schimmernd geputzte Jagdgewehr drückt seine ganze Last tief in Seele und Leib des einsamen Mannes von mittleren Jahren,
strahlt eine seltsame, blutbefleckte Schönheit aus,
die, wenn das Gewehr auf Lebendes zielt,
niemals erscheint.
[...]
Während ich mir die kalte Nachtluft übers Gesicht streichen liess, stand ich lange am Fenster. Ich hatte das Gefühl, als sei ich leicht trunken. Ich legte meine Hände auf den Fensterrahmen und starrte in die Dunkelheit des kleinen, dicht mit Bäumen bestandenen Gartens unter dem Fenster, als sähe ich dort, was Misugi sein ›weisses Flussbett‹ genannt hat.