Do 29 Sep 2005
A night to remember
Geschrieben von Alexander unter News
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Heute von Pascha (der Kosename von Pavel, meinem Gastgeber in der ersten Woche) zur Geburtstagsparty eines russischen Maedchens eingeladen. Die Party findet in einem Park beim riesigen Kubischev Platz im Zentrum Samaras statt. Wie sich spaeter herausstellt, feiern wir den zwanzigsten Geburtstag von Olga, welche mit Paschas Freundin Mascha zusammen (Architektur) studiert und auch eine Studentenunterkunkft teilt.
Beim Kubischev Platz treffen Pascha und ich Mascha (seine Freundin) und Nassja, eine andere Architektur Studentin. Zu viert laufen wir Haendchen haltend und rumhuepfend zur Party – alles etwas lockerer und viel viel emotionaler als von zuhause gewohnt. Minus Coolness, plus Herzlichkeit, minus Verklemmtheit, plus Lebenslust, minus ‘Image is Everything’, plus Emotionen. Sehr erfrischend! Als erstes wird natuerlich das Geburtstagskind beglueckwuenscht – Nassja moechte, dass ich Olga sage, wie huebsch und toll und liebenswuerdig sie sei, was mir bei aller Lockerheit dann doch etwas zu weit geht. Alternativ halte ich eine kleine Rede auf Schweizerdeutsch – grosse Augen!
Der Rest der Party sind spontane Lieder, gemeinsame Ringelreihen- oder Walzer-Taenze ohne Musik und Nassja als ziemlich verrueckte, non-stopp quasselnde und fuer russische Verhaeltnisse sehr frisch gestylte Begleiterin. In dadaistischem Englisch erzaehlt sie mir von ihrem Leben und von aktuellem Liebeskummer. Kuriose Wortkombinationen fuegen sich zu einem traumtaenzerisch sueffigen, berauschenden Gemaelde. A la Tarkovski: man versteht nichts, ist aber trotzdem hingerissen und beeindruckt. Hexentanz durch den Stadtwald. Und nein, ich war nicht betrunken. Dafuer, dass alle mit mir ein Glas Vodka auf die Freundschaft trinken wollten, habe ich mich recht gut gehalten.
Irgendwann gehen wir dann auf den Kubischev Platz zurueck, wo wir Joshua (aus England – er wohnte eine zeitlang in meiner Wohnung) und Roman (Samara) treffen sollten. Als erstes sehen wir jedoch eine Gruppe Maedchen (so um die 20), welche in einem Kreis auf dem Platz stehen und Lieder singen. Schon mal sowas in der Schweiz gesehen? Nassja zieht mich in den Kreis rein und wir (sie) singen Lieder und tanzen wilde Ringelreihen-Taenze. Roman und Joshua (‘I LOVE this country!’) stossen auch zum Kreis und die Maedchen singen speziell fuer uns ein Lied, als sie hoeren, dass wir Auslaender sind. Unglaublich, diese Atmosphaere. Als naechstes kommt spontan eine ziemlich druchgeknallte Kuenstler- oder Schauspielergruppe hinzu. Ziemlich irre Typen, welche mit uns im Kreis rumrennen und spaeter noch ad hoc einen kleinen, total abgefahrenen Sketch auffuehren – verstehe zwar nichts, die Energie reisst aber trotzdem mit: Wahnsinn liegt in der Luft – Positiver Wahnsinn.
Als Olga, das Geburtstagskind, und ein paar ihrer Freunde wieder zu uns stossen, finden wir noch raus, warum ein total besoffener, dicklicher Typ immer ‘you’re in the army now’ in meine Richtung bruellte. Dmitri Vassiliewitsch, welcher von seinen Freunden ‘Schwein’ genannt wird, ist von der Uni geflogen und muss – als ob das nicht schon Schicksal genug waere – jetzt in die Armee. Fuer zwei Jahre am Stueck. Joshua: ‘The pooooor bastard! I LOOOVE this country.’
Irgendwann verabschieden wir uns von den tanzenden Maedchen und laufen nach Hause. Ein wilder Taumel von einem Spaziergang! Olga und Mascha wollen unbedingt, dass wir noch zu ihnen nach Hause kommen, weshalb wir uns mitten in der Nacht zu sechst in ein altes Lada-Taxi quetschen – die meisten sind betrunken – und, wer haette damit gerechnet?, Taxi faehrt eine junge Frau, welche das ganze auch noch ziemlich lustig findet. Der Rest in Schnelldurchgang: Taxi anschieben, Fahrt mit 30kmh, Taxi anschieben, Jazz am Radio, Studentenwohnungen in Bruchbude, mehr Bier und Tanzen, zwei Betten, sechs Leute und eine leicht irritierte Katze. A night to remember. Russia: I love this country!