Der aeusserst freundlich, warme und neugierige Empfang, welcher uns Auslaendern hier in Samara bereitet wurde, kontrastiert auf brutale Weise mit der ‘westlichen’ Einstellung Immigranten gegenueber. Eduardo Galeano fasst dies in Le Monde diplomatique (September 2005) folgendermassen zusammen:

Ist der Eindringling […] arm, jung und dunkelhaeutig, wird er auf Anhieb in die Schublade Beduerftigkeit, Krawallneigung oder Hautfarbe gesteckt. Und auch wenn er nicht arm, jung und dunkelhaeutig ist, hat er einen schlechten Empfang verdient, weil er in der Absicht kommt, doppelte Arbeit fuer halben Lohn zu leisten.

Die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist von allen Aengsten, die unsere Epoche der Angst beherrschen, eine der maechtigsten, und der Immigrant ist ein dankbares Objekt, wenn es darum geht, die Verantwortung fuer Arbeitslosigkeit, sinkende Loehne, Unsicherheit auf den Strassen und andere schreckliche Dinge and jemanden loszuwerden. Einst ueberschwemmte Europa die Welt mit Soldaten, Straeflingen und halb verhungerten Bauern. Diese Helden des kolonialen Abenteuers sind als Handlungsreisende Gottes in die Geschichte eingegangen. In ihnen zog die Zivilisation aus, die Welt von der Barbarei zu erretten.

Heute verlaeuft die Reise in umgekehrter Richtung. Wer aus dem Sueden in den Norden kommt - oder zumindest den Versuch dazu unternimmt -, traegt weder ein Messer zwischen den Zaehnen noch ein Gewehr auf dem Ruecken. Er kommt aus Laendern, die bis auf den letzten Tropfen ausgepresst wurden, und will nichts anderes erobern als irgendeinen kleinen Job. Diese Antihelden des postkolonialen Abenteuers wirken eher wie Sendboten der Hoelle: In ihnen ruestet sich die Barbarei zum Sturm auf die Zivilisation.