Sa 3 Sep 2005
Hedonismus, die Zweite
Geschrieben von Alexander unter Philosophie
Gestern wohl an einer der letzten Parties vor meiner Abreise gewesen - vielleicht der letzten Party in Zürich überhaupt, bevor ich 30ig werde? La classique Zurichoise: unter unbekannten, durchwegs sympathischen und angenehm oberflächlichen Leuten im geteerten Hinterhof eines Bordells büchsenweise lauwarmes Discounter-Billigbier in sich reinschütten, die Zeit verstreichen lassen und sich an spannenden Gesprächen la ‘weisch, ich als Schauspieler […] han mal in ärä Wärebeagentur gschafft - Euro RSCG, kännsch?Ja, ebä als Schauspieler, weisch. […] und mit minärä Wärbeagentur Erfahrig - Euro RSCG, gäll, drüü ganzi Mönät - bin ich als Schauspieler uf ganz neui […]’ beteiligen.
Warum erreiche ich wohl bei den meisten solchen Anlässen irgendwann den Punkt, wo ich mir sage ‘entweder bringe ich mich jetzt auf der Stelle um, oder lasse mich als Alternative volllaufen’? Und warum fällt die (einfache) Entscheidung schliesslich immer auf die zweite Option (wie auch gestern), anstelle des dritten Weges: koordinierter Rückzug?
Stephanies Erklärung: “It’s a curse bestowed upon us by small and nasty devils - debauchery always seems the only way out… but glad to hear you’re still hanging in there.”
Wie wahr! Das ‘froh sein, immer noch mitzumachen’ bringt uns letztlich zurück zur Hedonismus-Debatte, welche einem - ok, mir - um die 30ig schon mit bedenklicher Regelmässigkeit die Gurgel zuzudrücken versucht. Ist man auf dem Boden angekommen, wenn man sich an so einer anonymen ‘Puff-Hinterhof-Sause’ die Kanne gibt oder erst, wenn man es aufgibt, das auch noch zu hinterfragen? Wieso zum Teufel muss man alles verkomplizieren, indem man Strukturen erkennt, Muster analysiert, nach deren Sinn fragt? Hedonismus, du alte Kampfsau, hilf mir!
